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Amores - 1, 459-486

Ich ermahne (dich), römische Jugend, lerne nicht nur die guten Künste [gemeint ist Rhetorik], damit du ängstliche Angeklagte schützen kannst. Wie das Volk, der bedeutende Richter und der auserlesene Senat, so wird sich das Mädchen der Redekunst ergeben. Aber die Kräfte seien versteckt und du seiest nicht in der Stirn beredt! Deine Äußerungen sollen unangenehme Worte vermeiden! Wer, wenn nicht (einer) ohne Verstand, unternimmt vor der zarten Freundin eine Redeübung? Oft war ein heftiger Brief der Grund für Hass. Dir sei ein glaubhaftes Gespräch und vertraute, dennoch schmeichelnde Worte, damit du anwesend zu sprechen scheinst. Wenn sie das Geschriebene nicht annimmt und es ungelesen zurückschickt, hoffe (weiter), dass diese das Geschriebene lesen wird, und halte (d)einen Vorsatz. Mit der Zeit kommen schwierige junge Stiere zu den Pflügen, mit der Zeit werden Pferde gelehrt, die biegsamen Zügel zu erdulden: Der eiserne Ring wird durch beständigen Gebrauch zerrieben, der gekrümmte Pflugsterz geht durch den beständigen Boden zugrunde. Was ist härter als ein Fels, was weicher als eine Welle? Trotzdem werden die harten Felsen durch das weiche Wasser ausgehöhlt. Selbst Penelope, beharre auf deinem Ziel, wirst du mit der Zeit besiegen. Du siehst, dass Pergamon spät erobert worden ist, dennoch wurde es erobert. Sie hat es gelesen und will nicht zurückschreiben? Zwinge sie nicht: Mach du nur, dass sie immer wieder deine Schmeicheleien liest. Ein Mädchen, das lesen wollte, wird (auch) dem Gelesenen zurückschreiben wollen: dies wird durch kleine Abschnitte und angemessene Schritte hindurch kommen. Vielleicht wird auch zuerst ein verstimmter Brief zu dir kommen und jenes erfragen, dass du sie nicht belästigen willst. Was jene erfragt, fürchtet sie; was sie nicht fragt, wünscht sie: nämlich dass du weitermachen sollst; fahre fort und du wirst in der Folge im Besitz des Gewünschten sein.

Autor: Berit