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Amores - 1, 14

Lateinisches Original:
Dicebam 'medicare tuos desiste capillos!'
tingere quam possis, iam tibi nulla coma est.
at si passa fores, quid erat spatiosius illis?
contigerant imum, qua patet usque, latus.
quid, quod erant tenues, et quos ornare timeres?
vela colorati qualia Seres habent,
vel pede quod gracili deducit aranea filum,
cum leve deserta sub trabe nectit opus.
nec tamen ater erat nec erat tamen aureus ille,
sed, quamvis neuter, mixtus uterque color—
qualem clivosae madidis in vallibus Idae
ardua derepto cortice cedrus habet.
Adde, quod et dociles et centum flexibus apti
et tibi nullius causa doloris erant.
non acus abrupit, non vallum pectinis illos.
ornatrix tuto corpore semper erat;
ante meos saepe est oculos ornata nec umquam
bracchia derepta saucia fecit acu.
saepe etiam nondum digestis mane capillis
purpureo iacuit semisupina toro.
tum quoque erat neclecta decens, ut Threcia Bacche,
cum temere in viridi gramine lassa iacet.
Cum graciles essent tamen et lanuginis instar,
heu, male vexatae quanta tulere comae!
quam se praebuerunt ferro patienter et igni,
ut fieret torto nexilis orbe sinus!
clamabam: 'scelus est istos, scelus urere crines!
sponte decent; capiti, ferrea, parce tuo!
vim procul hinc remove! non est, qui debeat uri;
erudit admotas ipse capillus acus.'
Formosae periere comae—quas vellet Apollo,
quas vellet capiti Bacchus inesse suo!
illis contulerim, quas quondam nuda Dione
pingitur umenti sustinuisse manu.
quid male dispositos quereris periisse capillos?
quid speculum maesta ponis, inepta, manu?
non bene consuetis a te spectaris ocellis;
ut placeas, debes inmemor esse tui.
non te cantatae laeserunt paelicis herbae,
non anus Haemonia perfida lavit aqua;
nec tibi vis morbi nocuit—procul omen abesto!—
nec minuit densas invida lingua comas.
facta manu culpaque tua dispendia sentis;
ipsa dabas capiti mixta venena tuo.
Nunc tibi captivos mittet Germania crines;
tuta triumphatae munere gentis eris.
o quam saepe comas aliquo mirante rubebis,
et dices: 'empta nunc ego merce probor,
nescio quam pro me laudat nunc iste Sygambram.
fama tamen memini cum fuit ista mea.'
Me miserum! lacrimas male continet oraque dextra
protegit ingenuas picta rubore genas.
sustinet antiquos gremio spectatque capillos,
ei mihi, non illo munera digna loco!
Collige cum vultu mentem! reparabile damnum est.
postmodo nativa conspiciere coma.

Deutsche Übersetzung:
Ich hab dir (wiederholt) gesagt: „Lass ab, deine Haare zu färben“, jetzt hast du kein Haar mehr, das du dir färben kannst. Aber wenn du sie gelassen hättest, was wäre fülliger als dieses? Sie reichten sehr weit hinab, bis dahin, wo sich deine Seite erstreckt. Was, dass sie fein waren und solche, die du zu schmücken fürchtetest, wie die Schleier, die die farbigen Serer haben. Oder wie der Faden, den die Spinne an ihrem dünnen Fuß zieht, wenn sie unter verlassenen Balken ihr leichtes Werk knüpft. Jedoch war jenes weder schwarz noch golden, sondern, zwar keines von beiden, eine gemischte , welche in den feuchten Tälern des Idagebirges die hohe Zeder, der die Rinde entfernt wurde, hat. Füge hinzu, dass es gefügig und passend für hundert Wellen war und dir der Grund keiner Sorge war. Und nicht die Haarnadel brach es ab und nicht der Zinken des Kamms, die Friseuse war am Körper ungefährdet. Vor meinen Augen wurde sie oft geschmückt und nie verletzte sie die Arme mit einer entrissenen Haarnadel. Oft lag sie in der Früh mit noch nicht geordneten Haaren halb zurückgelehnt auf einem purpurnen Bett. Dann war auch die, die sich noch um nichts gekümmert hatte, schön, wie eine Thrakische Bacchantin, wenn sie ungezwungen müde im grünen Gras liegt. Doch obwohl es fein war und gleich wie Flaum, oh, welche Übel ertrug das misshandelte Haar! Wie sie sich geduldig dem Eisen und dem Feuer erwiesen, damit eine gewundene Locke durch die gedrehte Rundung entsteht. Ich rief „Eine Sünde ist dieses, eine Sünde, die Haare zu verbrennen. Von selbst sind sie schön, Wilde, verschone dein Haupt. Weit weg entferne diese Gewalt. Es gibt nicht, was verbrannt werden müsste. Das Haar selbst unterweist die angelegten Nadeln. Dein schönes Haar gibt es nicht mehr, welches Apoll, welches Bacchus auf seinem Kopf haben wollte. Mit jenem möchte ich vergleichen, das einst die nackte Dione auf Zeichnungen in der Hand gehalten hatte. Was klagst du, dass dein schlecht sitzendes Haar nicht mehr ist? Was legst du albern mit trauriger Hand den Spiegel beiseite? Nicht gut ist es, dass du von dir mit gewohnten Augen betrachtet wirst; damit du dir gefällst, musst dich sich selbst vergessen. Nicht verletzten dich verzauberte Kräuter der Nebenbuhlerin und nicht wusch dich eine tückische alte Frau mit thessalischem Wasser und nicht schadete dir die Gewalt einer Krankheit (fern soll ein Anzeichen sein) und nicht verringerte neidisches Gerede dein dichtes Haar. Du spürst das, was du durch deine Hand gemacht hast und den Verlust durch deine Schuld, selbst hast du deinem Kopf das Gift, das du gemischt hast, gegeben. Nun schickt dir Germanien Haare von Gefangenen; sicher wirst du sein durch ein Geschenk eines besiegten Stammes. Oh wie oft wirst du erröten, wenn jemand dein Haar bewundert und du wirst sagen „Nun werde ich bewundert für gekaufte Ware". Nun lobt jener irgendeine Sygambrierin für mich; und jedoch kann ich mich an den Ruhm erinnern, als jener meiner war. Ich Armer! Kaum kann sie die Tränen zurückhalten und die rechte Hand bedeckt das Gesicht, als sie die edlen Wagen mit Rot schmückt. Sie hält das alte Haar im Schoß und betrachtet es, weh mir, diese Gabe ist nicht würdig für diesen Ort. Verbinde den Geist mit deiner Miene: Der Schaden ist behebbar; schon bald werden sie deine natürlichen Haare erblicken.

Autor: Galathea (Forum)