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Amores - 1, 05


Es war Hitze und der Tag hatte die mittlere Stunde vollendet;
Ich legte die erholungsbedürftigen Glieder in die Mitte vom Sofa.
Ein Teil war geöffnet, ein anderer Teil des Fensters geschlossen:
Wie etwa Wälder pflegen Licht zu haben,
Wie Dämmerungen schimmern beim fliehenden Phöbus,
Oder wo die Nacht wegging und dennoch der Tag nicht aufgegangen,
Jenes Licht muss schüchternen Mädchen gewährt werden
Durch das ängstlicher Scham Verstecke zu haben hofft.
Siehe, Corinna kommt, mit Tunika ohne Gürtel verhüllt,
bildschön der Hals durch gescheiteltes Haar bedeckt –
Wie gesagt wird, dass die schöne Semiramis ins Schlafgemach
Ging, und Lais von vielen Männern geliebt.
Ich zog die Tunika herunter; und nicht viel störte locker,
Sie kämpfte, dass durch jene Tunika aber dennoch bedeckt wird.
Weil sie kämpfte, gleichwie eine, die nicht siegen wollte,
ist sie nicht mit Mühe durch ihren Verrat besiegt worden.
Wie sie vor unseren Augen stand mit abgelegtem Gewand,
war am ganzen Körper kein Makel:
Welche Schultern, welche Arme sah und berührte ich!
Die Gestalt der Brüste war wie geeignet gedrückt zu werden!
Wie flach der Bauch unter der straffen Brust!
Wie groß und wie beschaffen die Hüfte! Welch jugendlicher Schenkel!
Was soll ich einzeln beschreiben? Wir ruhten beide erschöpft.
Oft mögen sich mir die Tage am Mittag so ereignen.

Autor: Gloria