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Epigramm - 00 (Prologus)

Valerius Martialis grüßt seinen Leser,
Ich hoffe, dass ich in meinen Büchern so einem Mittelweg gefolgt bin, dass jeder sich über diese nicht beschweren kann, der über sich richtig urteilt, weil sie mit dem Respekt auch vor den unteren Personen spielen; dieser fehlte den alten Autoren so sehr, dass sie nicht nur wahre, sondern auch große Namen missbrauchten. Mir soll der Ruhm weniger kosten und die Begabung möge an mir zuletzt für gut befunden werden. Es möge von der Offenheit meiner Scherze der boshafte Interpret fehlen und nicht meine Epigramme umschreiben: Derjenige handelt schlecht, der in einem fremden Buch geistreich ist. Ich würde mich für die frivole Wahrheit der Worte entschuldigen, das heißt für die Sprache des Epigramms, wenn ich (wenn meines) das Vorbild wäre: So schreibt Catull, so Marsus, so Pedo, so Gaetulicus, so jeder, der durchgelesen wird. Wenn dennoch irgendjemand so fanatisch ernst ist, dass es bei jenem auf keiner Seite erlaubt ist, offen zu reden, kann er sich mit einem Brief oder eher mit dem Titel begnügen. Epigramme werden für jene geschrieben, die gewohnt sind, die Nackttänzerinnen zu betrachten. Cato möge nicht in mein Theater eintreten, oder, wenn er eingetreten ist, möge er zuschauen. Ich glaube, dass ich mit meinem Recht handle, wenn ich den Brief mit diesen Versen beende:
Warum bist du in mein Theater gekommen, ernster (strenger) Cato, obwohl du das süße Opfer der neckischen Flora kanntest und die festlichen Spiele und die Ausgelassenheit der Masse? Oder bist du etwa nur gekommen um wieder zu gehen?

Autor: julianus