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Ab Urbe Condita - Buch 03, 50, 01-10

1) Deshalb sind Jüngeren der Senatoren ins Lager geschickt worden, das damals auf dem Berg Vecilius lag. Sie informierten die Decemvirn, dass sie die Soldaten mit allen Mitteln vom Aufstand abhalten sollen. (2) Dort verursachte Verginius einen größeren Aufruhr als den, den er in der Stadt zurückgelassen hatte. Denn als er außerdem mit einem Heer von fast 400 Männern gekommen ist, die sich ihm aus der Stadt durch Empörung entflammt als Gefährten angeschlossen hatten, wurde er erblickt, die Waffe auch gezückt und er selbst besprinkelt mit Blut begab sich ins ganze Lager. (3) Und nachdem die Gewänder an vielen Stellen im Lager gesehen worden waren, erweckten sie den Anschein, dass die Menge aus der Stadt um einiges größer ist als sie war. (4) Während gefragt wurde, was geschehen war, konnte er lange Zeit, weil er weinte, die Stimme nicht erheben; schließlich, als die Menge schon aus der Unruhe der Herumlaufenden bei ihm stehen blieb und Stille herrschte, erzählte er alles in der Reihenfolge, wie es geschehen war. (5) Dann streckte er seine Hände nach oben, redete namentlich seine Kriegskameraden an und bat, dass sie ihm nicht beilegen, was das Verbrechen des Appius Claudius war, und sich nicht von ihm als Mörder der Kinder abwenden: (6) Das Leben seiner Tochter war ihm teurer als sein eigenes, wenn es ihr erlaubt war, als Freie und Reine zu leben; als er sie wie eine Sklavin zur Schändung entführt sah, glaubte er, es sei besser, seine Kinder durch Tod als durch Schmach zu verlieren, und geriet durch Mitleid in den Schein von Gewalt; (7) und er hätte seine Tochter nicht überlebt, wenn er nicht die Hoffnung, ihren Tod zu rächen, in die Hände der Kriegskameraden gelegt hätte. Auch diese hatten Töchter, Schwestern und Frauen und die Begierde des Appius Claudius war mit seiner Tochter nicht gelöscht, sondern es sei umso ungestrafter, je zügelloser es sein werde. (8) Durch den fremden Schaden gab er ihnen eine Warnung, sich vor ähnlichem Unrecht zu behüten. Was ihn betraf, wurde ihm durch das Schicksal die Frau entrissen, seine Tochter, weil sie nicht länger rein hätte sein können, starb einen kläglichen, aber ehrenvollen Tod; (9) in seinem Haus war keine Möglichkeit mehr für die Begierde des Appius; von einer anderen Gewalttat dessen wird er seinen Körper durch sein Gemüt selbst schützen, mit dem er seine Tochter beschützt hat; die Übrigen kümmerten sich selbst um sich und ihre Kinder. (10) Die Menge rief dies dem lauthals schreienden Verginius zu und dass sie sich einsetzen für jenen Schmerz und seine Freiheit.

Autor: Kero