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Ab Urbe Condita - Buch 01, 39


Zu dieser Zeit trat in der Königsfamilie ein göttlichen Vorzeichen auf, wunderbar ein seiner Erscheinung und in seinem Ausgang. Es wird überliefert, dass, während eine Junge, dessen Name Servius Tullius war, schlief, sein Kopf in der Gegenwart vieler gebrannt hat. Daher sollen dann die Könige durch das sehr laute Geschrei aufgeweckt worden sein, das infolge eines so großen Wunders aufgekommen war, und, als ein bestimmter Sklave Wasser zum Löschen brachte, soll er von der Königin zurückgehalten worden sein, und nachdem sich der Aufruhr gelegt hatte, soll diese verboten haben den Jungen zu bewegen, bis er von selbst aufwacht. Bald soll mit dem Schlaf auch das Feuer weggegangen sein. Nachdem der Mann dann an einen abgesonderten Ort gebracht worden war, sagte Tanaquil: „Siehst du diesen Jungen, den wir mit so einfacher Lebensweise erziehen? Es lässt sich erkennen, dass dieser das Licht für unsere schwierige Lage und der Schutz für die zerrüttete Königsfamilie sein wird; deshalb sollten wir die Anlage dieser gewaltigen Ehre öffentlich und privat mit unserer allergrößter Fürsorge aufziehen.“
Von da an wurde begonnen – wie berichtet wird – den Jungen anstelle der Kinder zu behalten und ihn auf eine Art und Weise zu erziehen, mit der sich die Anlagen zu einer Lebensweise des hohen Standes erheben. Es war ein Leichtes, weil es den Götter am Herzen lag. Er entwickelte sich wahrlich zu einem jungen Mann mit königlicher Begabung, und als Tarquinius einen Schwiegersohn suchte, konnte keiner der römischen Jugendlichen in irgendeiner Fähigkeit mit ihm verglichen werden und der König verlobte seine Tochter mit ihm. Aus welchen Grund auch immer, verhindert hier eine so große Ehre, die ihm erwiesen wurde, zu glauben, dass dieser der Sohn seiner Sklavin ist und dass er als Knabe sogar sich selbst gedient hat.
Ich schließe mich eher der Meinung dieser an, die berichten, dass, nachdem das Corniculum des Servius Tullius, der in jener Stadt das Oberhaupt war, erobert worden war, eine schwangere Frau, als ihr Mann gefallen war, wegen ihres einzigartigen Ansehens von der römischen Königin vor der Sklaverei bewahrt wurde und ihr Kind in Rom im Haus des Tarquinius Priscus zur Welt brachte; zum einen soll dauraufhin eine Freundschaft unter den Frauen entstanden sein und zum anderen soll der Knabe, da er im Haus von Jugend auf aufgezogen worden ist, geliebt und respektiert worden sein; das Schicksal der Mutter soll bewirkt haben, dass man ihn für den Sohn einer Sklavin gehalten hat, weil er nach Eroberung seiner Heimat in die Hände der Feinde gelangte.

Autor: pseudoirrealis