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Ab Urbe Condita - Buch 01, 07

Man sagt, dass Remus als erster ein Vorzeichen erhalten hat: sechs Geier; Und als sich Romulus schon nach Verkündigung des Vorzeichens die doppelte Anzahl zeigte, hat ihre Bevölkerung beide als Könige begrüßt: Die einen rissen die Herrschaft wegen des zeitlichen Vorsprungs an sich, aber die anderen wegen der Anzahl der Vögel. Dann sind sie durch eine Auseinandersetzung aneinandergeraten, und durch die erhitzten Gemüter wurde daraus ein Gemetzel; dort im Tumult kam Remus um, weil er erschlagen wurde. bekannter ist die Überlieferung, dass Remus durch den Spott seines Bruders über die neuen Mauern gesprungen ist; dann wurde er vom zornigen Romulus getötet, nachdem er folgende Worte schimpfend hinzugefügt hatte: „So wird es jedem ergehen, der über meine Mauern springen wird. So bemächtigte sich Romulus als einziger der Herrschaft. Die gegründete Stadt wurde nach dem Namen des Gründers benannt. Als erstes befestigte er den Palatin, auf dem er selbst erzogen wurde. Für die anderen Götter baute er Heiligtümer nach Art von Alba Longa, für Herkules nach griechischer Art, wie sie auch Evander gebaut hatte. Sie erinnern daran, dass Herkules die Rinder mit einem sonderbaren Vorwand weggetrieben hat, nachdem er den Riesen Geryon getötet hatte, und dass er die Rinder und sich selbst – erschöpft von der Reise – auf eine Wiese in der Nähe des Flusses Tiber, wo er, während er die Herde vor sich her trieb, hinübergeschwommen ist, gelegt hat um sich durch Ruhe und reichhaltige Nahrung zu erholen. Nachdem er sich vom Essen und vom Wein beschwert gefühlt und ihn der Schlaf dort überwältigt hatte, tauchte ein Hirte mit dem Namen Cacus auf, der ein Bewohner dieser Gegend war und der durch seine Muskeln wild aussah. Nachdem dieser, der von der Schönheit der Rinder angezogen wurde, diese Beute wegschaffen wollte, zog er die weggeschafften Rinder, jedes von außerordentlicher Schönheit, an ihren Schwänzen in eine Höhle, weil den suchenden Herren die Fußspuren selbst dorthin hinabführen würden, wenn er die Herde, indem dass er sie getrieben hätte, in die Höhle befördert hätte. Nachdem Herkules, der bei der ersten Morgenröte aus dem Schlaf aufgeweckt wurde, die Herde mit den Augen gemustert hatte und durch Nachzählen bemerkt hatte, dass ein Teil fehlt, ging er zur nächsten Höhle, ob vielleicht Spuren dorthin führten. Sobald er sah, dass all diese nach draußen und nicht in eine andere Richtung führten, fing er verwirrt und im Geiste verstört an, die Herde von diesem unsicheren Ort weiter weg zu treiben. Als dann manche weggetriebenen Viecher aus Verlangen nach den Zurückgelassenen gemuht hatten, wie es so ist, brachte Herkules das Muhen der eingeschlossenen Schafe, das aus der Höhle wiederhallte, zum Umkehren. Als Cacus versucht hatte diesen, der zur Höhle ging, mit Gewalt abzuhalten, wurde er mit einem Schlag einer Keule getötet, wobei er nach der Hilfe der Hirten rief.
Damals herrschte Evander, ein Verbannter aus dem Peloponnes, mehr mit Einfluss als mit Befehlsgewalt über diesen Ort. Er war ein ehrwürdiger Mann und ein Wunder der Briefe, einer neuen Sache der Kunst unter den ungebildeten Menschen. Er war sehr ehrwürdig, weil seine Muter für eine Gottheit gehalten wurde, die diese Völker vor Sibylla’s Ankunft in Italien als Wahrsagerin bewunderten. Nachdem dieser Evander, der durch das Zusammenlaufen der verängstigten Hirten um den Ankömmling herum, der als Schuldiger dieses Mordes ertappt wurde, den Tathergang und den Grund der Tat hörte, fragte er wer der Mann wäre, und betrachtete das Aussehen und die Figur des Mannes, die sehr viel prächtiger und herrlicher als die eines Menschen war. Sobald er seinen Namen und seinen Vater und sein Heimatland vernahm, sagte er: „Sei gegrüßt, Herkules, Sohn des Jupiters; meine Mutter, eine wahr sprechende Gottesdeuterin, sagte mir, dass du den Kreis der Götter erweitern wirst und dass dir hier ein Altar gewidmet wird, so dass das wohlhabendste Volk auf Erden ihn „Ara Maxima" nennt und nach deinem Brauch verehrt. Nachdem Herkules ihm die rechte Hand gegeben hatte, sagte er dass er das Zeichen annimmt und dass er das Schicksal durch Gründung und Weihung eines Altars erfüllen wird. Dann wurde dort als erstes ein besonderes Schaf aus der Herde ausgewählt und für Herkules geopfert. Die Potitii und die Pinarii, die damals als die berühmtesten Familien an diesem Ort siedelten, wurden zum Opferdienst und zum Opfermahl hinzugezogen. So passierte es zufällig, dass die Potitii zu dieser Zeit anwesend waren und dass diesen die edlen Eingeweide vorgesetzt wurden, und dass die Pinarii zum übrigen Opfermahl kamen, nachdem die edlen Eingeweide angebissen worden waren. Von da an blieb der Brauch, dass sie nicht von diesen alljährlichen Eingeweiden essen, solange es das Pinariische Geschlecht gab. Die Potitii, die von Evander gründlich gelehrt wurden, waren viele Generationen lang die Oberpriester dieses Opferbrauches, solange bis das ganze Geschlecht der Potitii zugrunde ging, weil der alljährliche Opferdienst der Familie den öffentlichen Sklaven übergeben wurde. Bald übernahm Romulus diesen Opferbrauch als einzigen Ausländischen von allen, und schon bald war er ein Anhänger der durch Tapferkeit hervorgebrachten Unsterblichkeit, zu der ihn sein Schicksal führte.

Autor: pseudoirrealis