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Sermones - Buch 1, 06

Nicht weil, Maecenas, was auch immer an Lydiern das etruskische Gebiet bewohnt, ist niemand edler als du, nicht weil der Großvater mütterlicherseits und väterlicherseits du hattest, die einst große Legionen befehligten, wie es die meisten zu tun pflegen, hängst du sie an die von nieder Herkunft stammenden an deine hakige Nase, wie ich es bin, Sohn eines Freigelassenen. Wenn du es nicht betonen willst, von welchen Eltern ein jeder stamme, solange man nur frei geboren ist, diesbezüglich bist du wahrhaftig überzeugt, dass vor der Macht des Tullius und unrühmlicher Herrschaft oft viele Menschen, ohne dass sie von hoher Abkunft waren, auch ehrenhaft gelebt haben, und sich durch große Ehren Ansehen verschafft haben; dass Laevinus dagegen, vom Stamm des Valerius, den Superbus Tarquinius, vom Thron gestoßen, floh, niemals je ein As mehr wert gewesen sei, nach dem urteilenden Gericht, was du ja kennst, dem Volk, welches oft die Ehrenämter unwürdigen gibt und albern dem Ruhm zugesteht, das auf die Titel und Ahnenbilder erstaunt blickt. Was soll ich tun, der ich vom Volk schon so weit entfernt bin. Denn so ist es: Das Volk will lieber dem Laevinus das Amt geben als einem Decius, dem Neuling, du als Zensor würde mich Appius streichen, wenn ich nicht von einem freien Vater abstammte: Und auch zu Recht, da ich ja nicht in der eigenen Haut geruht hätte. Aber am glänzenden Wagen zieht Gloria festgebunden nicht weniger die einfachen Menschen als die Adligen. Wozu (diente es) dir, Tillius, zu ergreifen die abgelegte Borte und Tribun zu werden. Der Neid wuchs, welche dem Privatmann kleiner gewesen wäre. Denn wie einer wahnsinnig die Mitte des Beines mit schwarzem Fell umbindet, und die Borte breit von der Brust abschickt, hört er sogleich: „ Wer ist diese Mann? Von welchem Vater stammt er ab?“ Oder wie wenn einer leidet an der Krankheit des Barrus, und wünscht für schön gehalten zu werden, wo auch immer er geht, den Mädchen die Sorge einjagt, nach Einzelheiten zu forschen, wie das Gesicht sei, wie die Wade, wie der Fuß, Zahn, Haar. So, wer den Bürgern verspricht, dass er sich um die Stadt kümmere, für das Reich und Italien, die Heiligtümer der Götter, von welchem Vater er stammt, ob er unehrenhaft durch einfache Mutter, zwingt er alle Sterblichen zu suchen und zu fragen. „Du, Sohn des Syrers Damas oder Dionysus, wagst es, Bürger vom Fels zu stürzen oder dem Cadmus auszuliefern?“ „Aber Kollege Novius sitzt einen Grad noch dahinter: denn jener ist, was mein Vater war.“ „Scheinst du dir ein Paullus oder Messalla zu sein? Wie wenn zweihundert Wagen und drei große Begräbnisse auf dem Forum zusammenlaufen, wird er klingen, dass er Horn und Tuba besiegt: Dieses gefällt uns allerdings!“ Nun komm ich zu mir zurück, Sohn von einem Freigelassen, den alle benagen als Sohn von einem Freigelassenen. Nun, da ich ja Begleiter von Dir bin, Maecenas, aber einst, weil mir als Tribun eine römische Legion gehorchte. Dieses ist jenem nicht ähnlich, weil nicht, wie vielleicht mit Recht irgendjemand meine Stellung mir neiden könnte, so vielleicht auch dich als Freund, der du doch besonders vorsichtig bist, (nur) die Würdigen zu empfangen, von eitler Geltungssucht fern. Ich könnte mich nicht darum einen Glückspilz nennen, weil ich dich im Los zum Freund zufällig bekommen hätte. Kein Zufall nämlich brachte mir dich; Es war der gute Vergil einst, nach ihm Varius sagten, was für einer ich bin. Und wie ich zu dir kam, vereinzelt wenige Worte habe ich gesagt (denn die jugendliche Scham verbat mir, mehr zu äußern), nicht, dass ich von einem berühmten Vater stamme, nicht dass ich um das Land mit einen tarentischen Pferd herumreite, sondern erzähle, was ich war. Du antwortest, ganz nach deiner Art, weniges: ich gehe weg, und nach neun Monaten rufst du nach mir, und bestimmst, dass ich zum Freundeskreis gehöre. Diese halte ich für etwas Großes, das ich dir gefallen habe, der du das Ehrenvolle trennst vom Schändlichen, ohne berühmten Vater, sondern mit reinem Leben und Herz. Aber wenn ich ein fehlerhaftes Gemüt mit wenigen mittelschweren Lastern habe, aber irgendwie richtig, wie wenn du an einem wunderbaren Körper die zerstreuten Leberflecke tadelst, wenn weder Gier noch Geiz oder üble Genusssucht irgendeiner mir wirklich vorwerfen kann, rein und unschuldig, um mich selber zu loben, und wenn ich von den Freunden geschätzt lebe: So war der Vater Grund für diese Dinge, der, armselig mit seinem kleinen Äckerchen, mich nicht in die Schule des Flavius schicken wollte, wohin die angesehenen Kinder von angesehenen Zenturionen geboren, an der linken Seite die Beutel und Tafeln hängend, wenn sie gingen und die acht Asse in der Mitte des Monats überbrachten, aber er hat es gewagt, seinen Sohn nach Rom zu bringen, damit er dort die Wissenschaften gelehrt bekommt, die jeder Ritter und Senator seinen eigenen Kindern lehrt. Das Kleid, und die folgenden Sklaven, wenn es einer gesehen hätte, wie in einer großen Volksmasse, er hätte wohl glauben können, dass jene Unkosten mir aus der uralten Erbschaft gewesen seien. Selbst stand er mir als unbestechlichster Wächter bei allen Lehrern dabei. Was red ich so viel? Er bewahrte mich rein, welche die erste Ehre der Tugend ist, nicht nur vom schändlichen Tun, sondern auch vor schimpflichen Vorwurf und hatte Angst nicht, dass ihm irgendjemand etwas zum Fehler auslegt, wenn ich einmal als Ausrufer, oder er als Versteigerer, wie er es selbst war, einen kleinen Lohn erstrebte. Und ich hätte mich selbst nicht beklagt. Aber darum wird jenem Lob geschuldet und von mir noch größeren Dank. In keiner Weise soll mich – bin ich bei Verstand – dieser Vater mich reuen, und deshalb werde ich mich nicht so verteidigen, wie ein guter Teil leugnet, dass das aus übler List geschehen sei, dass er keine berühmten und angesehenen Eltern hat. Weithin möge meine wohlüberlegte Stimme mich von diesen unterscheiden: Denn wenn die Natur mir befehlen würde, von diesen meinen Jahren zurückzugehen die verlebte Zeit und andere Eltern, welche auch immer jeder nach stolzem Gelüste sich wünschte, würde ich zufrieden mit meinen durch Rutenbündel und Amtssitze geehrte nicht nehmen wollen, verrückt nach dem Urteil des Volkes, vernünftig vielleicht nach deinem, welches ich als schwere Last niemals gewohnt bin tragen zu wollen. Denn dann müsste ich plötzlich eine größere Geldmenge anstreben und mehr Leute begrüßen, um nicht allein aufs auswärtige Land hinauszuziehen, müsste mehr noch Knechte und Pferde versorgen, Kutschen halten. Jetzt ist es mir erlaubt auf einem kurzen Maultier, wie es beliebt, bis nach Tarent, dem die Lenden durch die Last der Sack aufreibt und der Reiter die Schultern: Niemand wird mir Habgier vorwerfen, wie dir Tillius, wenn dir, dem Prätor, auf der Via Tiburtina fünf Jungen folgen, den Nachtopf und die Weingefäße tragend. Hierin leb ich angenehmer als du, verehrter Senator, und noch bei tausend anderen Sachen. Wohin auch immer die Lust treibt, gehe ich allein, erkunde, was Kohl und Mehl kosten, umstreife den trügerischen Zirkus und oft das Forum am Abend, bleibe bei den Wahrsagern stehen, von wo ich dann nach Hause gehe zu dem Topf mit Lauch und Erbens und Plinsen. Das Abendbrot wird von drei Jungen bereitet, und weißer Marmor hält zwei Becher mit Schöpfkelle, dabei ein wertloser Krug, Mit einer Schale die Kanne, kampanisches Geschirr. Darauf gehe ich schlafen, mach mir keine Sorgen, dass ich morgen früh aufstehen muss, dass Marsyas verehrt werden muss, der behauptet das Gesicht des jüngeren Novius nicht ertragen zu können.

Bis zur vierten Stunde lieg ich; Danach geh ich spazieren, lese oder schreibe was im Stillen mich freut, salbe mich mit Öl, aber nicht dem, das der unsaubere Natta benutzt, nachdem er die Lampen darum betrogen hat. Sobald mich, ermüdet, die etwas heftigere Sonne zum Badengehen ermahnt, verlasse ich Marsfeld und das Dreiecksspiel. Nicht gierig gefrühstückt, so viel, wie es hindert, mit leerem Bauch den Tag zu verbringen, ruhe ich zu Hause.

Dies ist das Leben von denen, die frei von elendem und schwerem Ehrgeiz. Hierdurch tröste ich mich, und werde süßer leben als wenn Großvater, Vater und mein Onkel Quästor gewesen wären.

Autor: jauchi