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Epistulae - Buch 1, 10

Fuscus, dem Freunde der Stadt, grüße ich, als Freund des Landes. In dieser einen Frage allein sind wir um vieles verschieden, aber in den anderen fast wie Zwillinge, mit brüderlichen Seelen, was auch immer der eine verneint, so auch der andere, so benicken wir es auch zugleich, gleich zwei alten, sich bekannten Tauben (5): Du hütest Dein Nest, ich lobe die Flüsse, die mit Moos umgebenen Steine und Wäldchen des Landes. Was willst Du mehr? Ich lebe und herrsche, sobald ich die Dinge, die ihr da mit angenehmen Beifall zum Himmel hebt, verlassen hab, und wie der freigelassen Sklave weise ich die Kuchen des Priesters ab(10): Ich brauche Brot viel mehr als mit Honig bestrichenes Süßzeug. Wenn man angenehmerweise gemäß der Natur leben muss und man erst einen Platz um das Haus aufzubauen suchen muss, kennst Du einen besseren Platz als auf dem Lande? (15) Ist da ein Platz, an dem die Winter milder wären, an dem die Luft liebevoller sowohl die Rage des Hundes als auch die Zeiten des Löwen erleichtert, wenn er erst einmal wütend die heiße Sonne angenommen hat? Ist da ein Ort, der den Schlaf weniger bedeckt mit neidischer Sorge? Glänzt oder riecht denn Gras schlechter als das libysche Mosaik? (20) Versucht denn das Wasser in den Dörfern auf saubere Art das Blech zu durchbrechen, als das, welches durch den geschwungenen Fluss mit Gemurmel strömt? Freilich, zwischen verschiedenen Säulen wird ein Wald genährt, es wird das Haus gelobt, aus welchem man lange Felder bewundert. Du vertreibst die Natur mit der Furche, trotzdem eilt sie zurück und durchbricht heimlich als Siegerin die üblen Schandtaten (25). Wenn ein Kenner in Wolle triefende aquinatische Salbe nicht von sidonischem Purpur zu unterscheiden weiß, der wird nicht sicherer Schaden nehmen, und sei er bis ins eigene Mark getroffen, als der, der nicht Falsches vom Wahren unterscheiden kann. (30) Wen die angenehmen Dinge all zu sehr erfreut haben, den erschüttern die veränderten Dinge. Hast Du irgendetwas bewundert, legst Du es nur ungern beiseite. Meide Großes: Es ist sogar möglich, unter armen Dache ein Königsleben zu führen, das Könige und Gefolge übertrifft. Der Hirsch, besser im Kampf, (35)vertrieb das Pferd von den gemeinschaftlichen Weiden, solange bis der nach langen Kampf unterlegene die Macht des Menschen erbat und die Zügel aufnahm; aber nachdem er als übertrieben starker Sieger vom Feinde weggegangen war, hat er den Reiter nicht vom Rücken, den Zügel nicht vom Gesicht gezerrt. Wer aber aus Angst vor Armut die Freiheit verwehrt, die mehr wert ist als Silber, (40) zieht den harten Herren und dient in Ewigkeit, nur weil er nicht wusste, Weniges zu nutzen. Wem seine Sache nicht gefällt, macht es wie der Schuh: Wenn er dem Fuß zu groß ist, schlappt er, wenn er zu klein ist, drückt er. Froh über Dein Los lebst Du weise, Aristus, (45) und weder lässt Du mich ungestraft davonziehen, wenn ich mehr als notwendig zu sammeln und nicht Ruhe zu geben scheine. Das gesammelte Geld bedient oder befiehlt denjenigen, doch ist es eher würdig dem gedrehten Seil zu folgen als es zu führen. Dies habe ich für Dich diktiert am verfallen Tempel der Vacuna, abgesehen davon, dass Du nicht auch hier bist, bin ich über die anderen Dinge froh. (50)

Autor: jauchi