Latein24.de

Epistulae - Buch 1, 07

Fünf Tage hatte ich Dir versprochen, dass ich auf dem Land sein werde, als Lügner werde ich nun den ganzen Sextilis ersehnt. Aber wenn Du willst, dass ich gesund und richtig munter lebe, wie Du mir auch als erkrankten gabst, wirst Du mir, der fürchtet zu erkranken, die Erlaubnis geben, Maecenas, (5) während die ersten Feigen und die Hitze den Leichenbestatter mit seinen schwarzen Liktoren schmücken, während jeder Vater und jedes Mütterlein wegen der Kinder erblasst, verpflichtende Beschäftigung und kleine Arbeit auf dem Markt das Fieber herbeiführt und das Testament entsiegelt. Wenn der Wintersschnee die Albanischen Felder bedeckt (10), wird Dein Dichter zum Meer herabsteigen, schont sich und liest in sich zurückgezogen: Dich, Lieber Freund, wird er wiedersehen mit den Zephyren, wenn Du es erlaubst, mit der ersten Schwalbe. Und Du hast mich nicht reich gemacht so wie Calaber den Gast auffordert, die Birnen zu essen (15): „Iss ruhig.“ „Ich hab schon genug.“ „Aber nimm ruhig soviel Du willst.“ „Zu freundlich.“ Deinen Kindern könntest Du sie als nicht ungern gesehene Geschenke bringen.“ „So, als ob ich beladen entlassen werde, danke ich Dir fürs Geschenk.“ „Wie Du meinst: Ich werfe die Überbleibsel heute noch den Schweinen zum Fressen vor.“ Der dumme Freigiebige verschenkt, was er nicht mehr braucht und missachtet (20): Diese Saat hat Undankbare zum Vorschein gebracht und wird es in alle Zeit. Der gute und weise Mann sagt, dass er den Würdigen bereit stünde: Und trotzdem kann er genau Münzen von Lupinen unterscheiden. Ich werde mich als würdig erweisen auch für das Lob, der es verdient. (25) Wenn Du nicht willst, dass ich jemals von Dir weiche, gib mir den starken Atem zurück, schwarze Haare an straffer Stirn, gib mir die Gabe, süß zu reden, zu Lachen mit Zierde und zu trauern beim Weine über die Treulosigkeit der frechen Kinara. Zufällig war die zarte Füchsin durch einen engen Spalt in die Kornkammer gekrochen (30), und versuchte nach dem Mahl mit vollem Bauch rückwärts durch die Öffnung zu gehen, vergebens. Dieser sagt das Wiesel von draußen: „Wenn Du von dort wieder raus willst, muss Du die enge Höhle so dünn verlassen, wie Du sie betreten hast.“ Wenn ich diesem Beispiel zugeordnet werde, weise ich alles von mir; (35) Ich lobe nicht – satt vom Mahl – den Schlaf des Pöbels, noch tausche ich die freiste Muße gegen Reichtümer der Araber. Oft hast Du den ehrlichen gelobt, sowohl König und Vater hast Du von mir neben Dir gehört, und ich bin nicht sparsamer, wenn ich fort bin mit dem Worte: Siehe aber, wie ich glücklich die Gaben zurückgeben kann. Nicht übel machte es Telemachos, der Nachkomme des geduldigen Odysseus (40): „Der Ort Ithaka ist nicht geeignet für Pferde, es ist weder weitausgestreckt mit breiten Feldern noch reich an fruchtbaren Wiesen: Atride, Ich weise Deine Geschenke, die Dir besser nützen, ab.“ Kleines passt zu Kleinem: Mir gefällt nicht mehr die Königin Rom, aber dafür das einsame Tibur oder auch das friedvolle Tarent (45). Der tüchtige und tapfere Phillipus, berühmt für seine Prozessführung, als er um die achte Stunde von den Pflichten abließ und vom Forum zurückkehrt und sich beschwert, dass die Karinen zu weit entfernt seien - schon so an hohen Jahren ist er - hat er, wie man sagt, einen gewissen Rasierten im leeren Schatten (50) eines Friseurladens gesehen, mit einem Messer sich die eigenen Nägel unbeschwert reinigend. „Demeter“ (ein Junge, der nicht ungeschickt die Befehle Phillips auszuführen versteht),“geh hin, frage und berichte dann, aus welchem Hause, wer er sei, was für ein Vermögen, welchenm Vater oder Patron er unterstünde.“ Er geht, kommt zurück und erzählt, das sein Name Mena Volteius (55), dass er Herold sei, wenig begütert, ohne Verbrechen, bekannt dafür, zum Ort zu eilen, aber auch zu trödeln, wie er verdiene so auch ausgebe, dass er sich freue an kleinen gesellschaftlichen Dingen und am sicheren Haus, an Spielen auf dem Feld nach der vollbrachten Arbeit. „Was Du mir alles hier berichtest, möchte ich von ihm selbst erfahren (60): Sag ihm, dass er zum Essen kommen solle.“ Mena glaubt nicht recht zu hören, wundert sich im Stillen. Was noch? „Nein, Vielen Dank,“ antwortet er. „Er sagt mir ab?“ „Er lehnt unverfroren ab und scheut dich oder hat Angst vor Dir.“ Am nächsten morgen überrascht Phillip den Volteius, (65) der gerade geringwertiges Zeug an das einfache Volk verkauft und zwingt sich ihn zuerst zu grüßen. Jener entschuldige sich bei Phillip, die Arbeit und die geschäftlichen Verpflichtungen, dass er nicht am Morgen zu dessen Haus gekommen sei und schließlich auch ihn nicht als erster gegrüßt. So halte dir die Sache von mir vergessen, wenn Du heute mit mir isst. „Wie Du wünschst.“ (70) „Also kommst Du nach der neunten Stunde: Nun geh, vermehre Dir eifrig Dein Geld!“ Wie zum Essen gekommen wurde, wurde über Wichtiges und Unwichtiges geplappert und schließlich zum Schlafen entlassen. Wie man ihn so oft gleich einem Fisch zum verborgenen Haken herbeieilen sah, (75) morgens als Klient, abends als Gast, wird ihm befohlen, an dem angekündigten Latinerfest als Begleiter in die Umland der Stadt zu fahren. Den Pferden hinten angeknüpft hört er nicht auf, Landschaft und Himmel der Sabiner zu loben. Es sieht und lacht der Phillippus, und indem er sich Ruhe und Freude von überallher ersehnt, (80) indem er ihm sieben Sesterzen schenkt, weitere als Leihgabe verspricht, überredet er ihn, sich ein kleines Landgut zu kaufen. Der kauft es sich. Und damit ich Dich nicht mit ausschweifenden Unklarheiten überflüssiger Art langweile: Aus dem glänzenden Städter wird ein Bauer und ächzt in die Furchen und reinen Weinhügel, bereitet Ulmen, schuftet sich tot und beginnt zu altern bei all den Mühen und der Habsucht (85). Aber sobald die Schafe durch einen Dieb verloren sind, durch eine Krankheit die Ziegen, die Saat die Hoffnung betrog, das Vieh beim Pflügen fast zu Tode erschöpft ist, ergreift er wütend über die Verluste mitten in der Nacht das Pferd und so reitet der Zornige zum Haus des Phillippus; Phillipus erblickte diesen sogleich, ganz schmutzig und unrasiert (90), so sagt er: „Überarbeitet, Volteius, Du scheinst mir Dich zu sehr angestrengt zu haben.“ „Beim Pollux, Patron! Ich Elender, solltest Du mich nennen, wenn Du mich bei meinem wahren Namen rufen möchtest. Deshalb beschwöre und flehe ich Dich bei deinem Genus, bei der Rechten, bei den Hausgöttern, gib mich meinem vorherigen Leben zurück.(95)“ Wer einmal gesehen hat um wie viel das Weggeworfene das Neuerrungene übertrifft, kehre vernünftigerweise um und erstrebe das Verlassene. Recht ist, dass jeder sich selbst nach seiner eigenen Art und seinem Fuße misst.

Autor: jauchi