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Carmen - Buch 1, 10 (Hymne auf Merkur)

O Merkur, redegewandter Enkel des Atlas, der du klug die wilden Sitten der eben erst geschaffenen Menschen durch die Sprache und die Regel(n) des schönheitbildenden Ringkampfes veredelt hast, dich will ich besingen, den Boten des großen Jupiter und der Götter, den Vater der gebogenen Leier, dich, der du erfahren bist, in scherzhaftem Diebstahl alles zu entwenden, was dir gefallen hat. Über dich hat Apoll, während er dich Knaben mit drohender Stimme erschrecken wollte, wenn du nicht gleich die durch List entwendeten Rinder zurückgeben würdest, gelacht, als er des Köchers beraubt war. Ja sogar der reiche Priamus täuschte, nachdem er Ilion verlassen hatte, unter deiner Führung die stolzen Atriden, die thessalischen Wachfeuer und das Troja feindliche Lager. Du geleitest die frommen Seelen an die Stätten der Seeligkeit und lenkst mit einem goldenen Stab die körperlose Schar, beliebt bei den Göttern oben und unten.

Autor: OstR. Prof. Mag. Dr. Franz KREMSER