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Philippica - Buch 1, Kap. 23-38

23 Was befehlen diese, was die Gesetze Caesars aufhebt, dem wegen Gewalt und ebenso dem, der des Hochverrats verurteilt ist, verbannt zu werden in Feuer und Wasser? Wenn diese Berufung gegeben wird, werden nicht etwa die Verfügungen Caesars zerrissen? Ich jedenfalls, versammelte Väter, habe jene nie gebilligt, dennoch glaubte ich in dieser Zeit nicht nur nicht zu schwächen, welche Gesetze Caesar lebendig gebracht hat, sondern damit nicht ihr jene seht, die nach Caesars Tod hervorgebracht und aufgestellt worden sind. 24 Aus dem Exil zurückgeführt von einem Toten; das Bürgerrecht nicht nur für einzelne gegeben, sondern Nationen und sämtliche Provinzen von einem Toten; durch unbegrenzte Vergünstigungen sind die Steuern beseitigt von einem Toten. Also verteidigen wir diese von einem einzigen, aber ausgezeichneten Vertreter aus dem Haus hervorgebrachten: Diese Gesetze, die er selbst uns Zuschauenden vorlas, verkündete, bekannt gab, durch diese getragenen er sich rühmte und glaubte durch diese Gesetze den Staat zu umfassen, über Provinzen, über gerichtliche Untersuchungen, diese Gesetze Caesars, sage ich, halten wir, die wir die Verfügungen Caesars verteidigen, für umzustürzende? 25 Und über diese Gesetze, die vorgeschlagen sind, können wir dennoch wenigstens klagen; über diese, die schon gesagt werden getragen zu sein, ist nicht einmal jenes erlaubt. Jene nämlich sind ohne jegliche Bekanntmachung getragen, bevor sie geschrieben sind. Ich frage aber, was sei, warum entweder ich oder einer von euch, versammelte Väter, schlechte Gesetze fürchten soll bei guten Volkstribunen. Wir halten sie bereit, dass sie Einspruch erheben, bereit, dass sie mit Religion den Staat verteidigen. Wir müssen frei sein von Furcht. Man sagt: „Welche Einsprüche, welche Religionen lieferst du mir.“ Freilich diese, mit denen das Heil des Staates erhalten wird. Wir vernachlässigen diese und wir halten sie für zu alt und dumm: Das Forum wird umzäunt; alle Zugänge werden verschlossen, Bewaffnete werden in vielen schützenden Orten versammelt.“ 26 Was dann? Was so ausgeführt ist, dies wird Gesetz sein? Und ich glaube, ihr werdet befehlen, dass es in Erz geschrieben wird jenes gesetzmäßige: DIE KONSULN FRAGTEN DAS VOLK ZU RECHT – haben wir von den Vorfahren das Recht zu bitten – UND DAS VOLK ENTSCHIED ZU RECHT. Welches Volk? Dies etwa, das ausgeschlossen ist? Mit welchem Recht? Etwa weil alles durch Gewalt und Waffen beseitigt ist? Ich spreche dies über zukünftiges, weil es unter Freunden ist vorher das zu sagen, was gemieden werde könnte: Wenn dies nicht geschieht, wird meine Rede widerlegt. Ich spreche über angekündigte Gesetze, über welche bei euch noch unberührtes ist, ich zeige Mängel: Beseitigt sie! Ich kündige Gewalt an: Beseitigt die Waffen! 27 Es wird sich nicht ziemen, dass ihr über mich zürnt, Dolabella, der ich für den Staat sprach. Obwohl ich glaube, dass du dies nicht tun wirst – ich kenne deine Möglichkeit – sie sagen, dass der Kollege von dir in diesem seinem Schicksal, was ihm selbst gut scheint – mir, damit ich nicht schwerer rede, scheint es günstiger, wenn er das Konsulat seiner Großväter und seines Onkels nachahme - aber ich höre, dass er zornig gemacht sei. Ich sehe aber, dass es unangenehm ist, einen zu haben, der in Zorn gehen muss und bewaffnet ist, wenn zumal so sehr Straflosigkeit der Schwerter ist. Aber ich will vorschlagen etwas gerechtes und billiges, wie ich glaube, was M. Antonius, glaube ich, nicht zurückweisen wird. Wenn ich etwas gegen dessen Leben oder Sitten mit Schande gesagt habe, werde ich desto weniger zurückweisen, dass er mir am feindlichsten sei; wenn aber ich meine Gewohnheit, die ich immer im Staat hatte, erhalte, ist dies, wenn ich frei die Meinung über die Republik äußere, zuerst, dass ich bitte, dass er nicht zürnt; dann, wenn ich dies nicht erreiche, bitte ich, dass er so zürnt, wie über einen Bürger. Waffen benutze er, wenn es notwendig ist, wie er sagt, um sich zu verteidigen: Denen, die für die Republik gesprochen haben, was für sie recht erscheint, sollen diese Waffen nicht schaden. Was kann gerechter gesagt werden als diese Forderung? 28 Wenn jede Rede, die er gegen dessen Willen hält, diesen, wie mir von einigen seiner Befreundeten gesagt ist, schwer angreift, auch wenn keine Schmach darin ist, werde ich die Natur des Freundes ertragen. Aber eben jene sprechen nicht mir auch so: „Dir, dem Gegner Caesars, wird nicht dasselbe erlaubt sein, wie dem Schwiegervater Piso.“ Und zugleich ermahnen sie, was wir hüten werden: „Und es wird nicht rechtmäßiger sein. nicht in den Senat zu kommen wegen einer Krankheit als wegen des Todes.“ 29 Aber bei den unsterblichen Göttern! – Dich nämlich anblickend, Dolabella, der du mir am teuersten bist, ich kann nicht über den Irrtum von euch beiden schweigen. Ich glaube nämlich, dass ihr Menschen des Adels Großes begehrt habt, was einige glauben, nicht Geld, wie einiges von allzu Gläubigen angenommen wird, was immer von Reichen und auch Berühmten verachtet worden ist, nicht brutale Werke und eine für das Volk im geringsten zu tragende Macht, sondern Sorge für die Bürger und Ruhm. Ruhm aber ist Lob für rechtes Handeln und der Ruf für große Verdienste im Staat, was erst von dessen besten, dann auch durch das Zeugnis der Menge bestätigt wird. 30 Ich würde sagen, Dolabella, was Frucht des richtigen Handelns ist, wenn ich nicht sähe, dass du ein Weilchen mehr als die übrigen es erfahren hast. Kannst du dich erinnern an den Tag, der im Leben dir heller geleuchtet hat, als an dem du, nachdem du dich nach Hause begeben hast, das Forum gereinigt worden war, nachdem das Zusammenlaufen der Skrupellosen zerstreut worden war, nachdem die verbrecherischen Führer durch Strafe abgehandelt worden waren, nachdem die Stadt vom Feuerbrand und der Furcht vor Gemetzeln befreit worden war? Von welchem Stand, von welcher Gruppe, schließlich von welchem Schicksal zeigten sie nicht damals Zuneigungen dem Lob und deinen Glückwünschen? Ja auch mir, durch dieses Vorbild sie glaubten, dass du dich in diesen Sachen bedienst, und die guten Leute bereiteten Dank und beglückwünschten für deinen Namen. Erinnere dich bitte, Dolabella, an jene Übereinstimmung des Theaters, als alle, nachdem sie diese Dinge vergessen hatten, wegen denen sie an dir Anstoß genommen hatten, sich auszeichneten, dass sie durch neue Wohltat die Erinnerung an alten Schmerz aufgegeben hatten. 31 Hast du dieses, P.Dolabella,- ich spreche mit großem Schmerz – dieses, sage ich, so große Ansehen mit gleichmütigen Geiste ablegen gekonnt? Du aber, M. Antonius, – ich nenne einen Abwesenden – ziehst du jenen einen Tag, an dem der Senat im Gebäude der Tellus war, nicht diesen allen Monaten vor, an denen dich gewisse von mir abweichende für glücklich hielten? Was für eine Rede über Eintracht! Von welcher Furcht die Alten, von welcher Sorge ist damals von dir die Bürgerschaft befreit worden, als du deinen Kollegen, nachdem die Feindschaften beseitigt waren, und du übersehen hast die Vorzeichen, von dir selbst als Augur des römischen Volkes gemeldet, an jenem Tag hast du zum erstenmal gewollt, dass er für dich ein Kollege ist; als dein kleiner Sohn, aufs Kapitol von dir geschickt, Bürge des Friedens war. 32 An welchem Tag war der Senat fröhlicher, an welchem das römische Volk? Dies jedenfalls war in keiner Versammlung je zahlreicher. Dann schließlich wurden wir als befreite gesehen durch die tapfersten Männer, weil, wie jene es gewollt hatten, Frieden der Freiheit folgte. Am nächsten, am übernächsten, am dritten, schließlich an jeden übrigen folgenden Tagen hörtest du nicht auf gleichsam dem Staat täglich ein Geschenk heran zu bringen; das größte aber war jenes, weil du den Namen Diktator beseitigt hast. Dies ist von dir, von dir sage ich, dem toten Caesar als Merkmal zu ewiger Schande eingebrannt worden. Wie es nämlich wegen des Verbrechens eines M. Manlius durch Entschluss des manlischen Stammes keinem patrizischen Manlier erlaubt ist, Marcus zu heißen, so hast du wegen des Hasses eines einzigen Diktators den Namen Diktator gänzlich beseitigt. 33 Reute dich etwa, nachdem du dies so viel für das Wohl des Staates ausgeführt hast, dein Schicksal, etwa dein Ansehen, etwa die Berühmtheit, etwa der Ruhm? Woher also plötzlich eine solche Änderung? Ich kann nicht zu dem Glauben verleitet werden, dass du durch Geld gefasst worden bist. Es ist erlaubt, dass spricht, wem es beliebt; es ist nicht nötig zu glauben. Ich nämlich habe nichts von Niederträchtigkeiten jemals bei dir, nichts gemeines erkannt. Obwohl gelegentlich Hausgenossen zu verderben pflegen; aber ich kenne deine Standhaftigkeit. Und hättest du wie die Schuld, so auch den Verdacht zu vermeiden gekonnt! Jenes fürchte ich mehr, dass du unwissend den wahren Weg des Ruhmes für rühmlich hältst, dass du als einzelner mehr alles kannst und dass du von deinen Mitbürgern lieber gefürchtet als verehrt werden willst. Wenn du dies so glaubst, verkennst du den Weg des Ruhmes. Es ist rühmlich ein lieber Bürger zu sein, gut für den Staat Verdienste zu erwerben, gelobt, geschätzt und verehrt zu werden; in Furcht und Hass aber zu sein, ist missgünstig, abscheulich, schwächlich und hinfällig. 34 Was wir auch in jener Geschichte selbst sehen, dass der verderblich war, der sagte: „Sie mögen hassen, solange sie mich fürchten.“ Hoffentlich, M. Antonius, erinnerst du dich an deinen Onkel, über ihn hast du mich dennoch vieles und ebendies äußerst weise gehört. Glaubst du etwa, dass jener Unsterblichkeit erwerben wollte, damit er wegen der Ungebundenheit, Waffen zu haben, gefürchtet werde? Jenes war sein Leben, jenes entsprechend sein Glück, an Freiheit den übrigen gleich zu sein, der erste an Ansehen. Daher, damit ich die erfolgreichen Sachen deines Großvaters aufgebe, will ich lieber dessen äußerst unfreundlichen Tag höher halten als die Gewaltherrschaft des L. Cinna, durch den jener äußerst grausam getötet worden ist. 35 Doch was möchte ich dich durch Rede umstimmen? Wenn nämlich nicht das Ende C. Caesars etwas bewirken kann, dass du liebe wert sein willst, als gefürchtet zu werden, macht nichts davon Fortschritte und auch die Rede wird nicht Einfluss haben. Welche glauben, dass dieser glücklich war, sind selbst unglücklich. Niemand ist glücklich, der durch dieses Gesetz lebt, dass er nicht nur ungestraft, sondern auch mit höchstem Ruhm des Getöteten getötet werden könnte. Stimme dich durch diese Sache um, bitte ich, und betrachte deine Vorfahren und lenke so den Staat, dass die Mitbürger von dir sich freuen , dass du geboren bist: Ohne dies kann wer weder glücklich, noch angesehen noch überhaupt beliebt sein. 36 Ihr beide habt viele Meinungen des römischen Volkes, über die ich sehr verdrießt bin, dass ihr nicht mehr dadurch bewegt werdet. Was nämlich sind bei Gladiatorenkämpfen die Rufe unzähliger Bürger? Was die Verse des Volkes? Was das unaufhörliche Klatschen vor der Statur des Pompeius? Was die zwei Tribunen, die sich euch widersetzen? Beschreiben diese etwa nicht eindeutig den unglaublichen Willen des gesamten römischen Volkes beim Übereinstimmen? Und schienen euch der Beifall der Apollinarischen Spiele oder die Zeugnis eher und die Meinungen des römischen Volkes zu wenig groß? Oh jene glücklichen Männer, die, obwohl es ihnen selbst wegen Gewalt der Waffen nicht erlaubt war, anwesend zu sein, dennoch anwesend waren und im Innersten und im Fleisch des römischen Volkes verharrten! Wenn ihr nicht zufällig dachtet, dass dem Accius damals geklatscht und nach sechzig Jahren ein Siegeszeichen gegeben wird, nicht dem Brutus, der sich von seinen Spielen so fernhielt, dass in jenen äußerst prächtig ausgestattetem Schauspielen das römische Volk dem Abwesenden Zuneigung erwies, und es die Sehnsucht nach seinem Befreier mit beständigem Beifall und Geschrei linderte. 37 Ich jedenfalls bin der, der ich jene Beifälle, immer wenn sie von volksfreundlichen Bürgern erwiesen wurden, immer verachtete, wenn dies aber von höchsten, mittleren, untersten, wenn schließlich dies selbe von den gesamten Bürgern geschieht, und wenn diejenigen fliehen, die vorher der Übereinstimmung des Volkes zu folgen pflegten, halte ich jenes nicht für Beifall, sondern für ein Urteil. Wenn euch diese unbedeutender scheinen, die am heftigsten sind, verachtet ihr etwa auch das, was ihr erfahren habt, dass dem römischen Volk das Leben des A. Hirtius so viel wert war? Es war nämlich viel, dass jener beim römischen Volk geschätzt ist, wie er ist; beliebt bei Freunden, worin er gänzlich siegt; wert bei den Seinigen, denen er selbst am teuersten ist: Bei wem erinnern wir uns dennoch an eine so große Unruhe der Guten, an eine so große Frucht vor allen? Sicherlich bei keinem. 38 Was also? Dies, bei den unsterblichen Göttern! Versteht ihr nicht, wie es ist? Was? Überlegt ihr nicht, dass diese über euer Leben denken, für die das Leben derer so teuer ist, die für den Staat auf Berater hoffen? Ich empfing Lohn, versammelte Väter, für meine Rückkehr, da ich ja auch dies gesagt habe, damit es als Zeugnis meiner Standhaftigkeit hervorragt, wie auch immer das Ende folgen wird, und da ich ja von euch wohlwollend und gerne gehört worden bin. Wenn mir diese Möglichkeit ohne Gefahr für mich und euch geschieht, werde ich sie nutzen: Wenn weniger, so werde ich mich nicht, so viel ich kann, schonen für mich wie für den Staat. Mir ist es beinahe genug, was ich gelebt habe, entweder zum Alter oder zum Ruhm: Wenn hierzu etwas herankomme, würde es sich nicht sowohl mir, als vielmehr euch und dem Staat nähern.

Autor: Gloria