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Philippica - Buch 1, Kap. 12-22


12 Es wurde über Dankfeste gesprochen, bei welcher Art die Senatoren nicht pflegen zu fehlen. Sie werden nicht versammelt nämlich durch Pfand, sondern wegen Dank derer, um deren Ehre verhandelt wird; dies geschieht ebenso, wenn über einen Triumphzug gesprochen wird. Die Konsuln sind dann so ohne Sorge, dass es beinahe einem Senator frei ist, nicht anwesend zu sein. Da mir dieser Brauch bekannt war und ich vom Weg müde war und mir selbst nicht behagte, sagte ich diesem dies für unsere Freundschaft. Und jener sagte, wobei ihr es gehört habt, er werde mit Handwerken zu meinem Haus kommen. Zu sehr von Zorn jedenfalls und sehr zügellos war dies. Welcher Übeltat ist eine solche Strafe, dass er wagte in der Versammlung zu sagen, er werde ein aus öffentlichen Senatsstimmen gebautes Haus mit öffentlichen Werken zerstören? Wer aber berief jemals einen Senator durch solche Drohung? Oder was ist über Pfand oder Geldbuße hinaus? Wenn er gewusst hätte, welche Stimme ich sagen würde, hätte er etwas vermindert über die aufgebrochene Strenge des Versammelns. 13 Oder glaubt ihr, versammelte Väter, ich hätte festgesetzt, was ihr gegen den Willen verfolgt habt, dass Totenfeiern mit Dankfesten gemischt werden, dass unsühnbare Kulthandlungen in den Staat eingeführt werden, dass Dankfeste für einen Toten beschlossen werden? Ich sage nicht für welchen. Wäre jener L. Brutus gewesen, der selbst sowohl den Staat von königlicher Herrschaft befreit hat, als auch zu ähnlicher Tugend und einen ähnlich gemachten Ursprung schon beinahe in 500 Jahren erweiterte: Ich könnte dennoch nicht herangeführt werden, dass ich einen Verstorbenen mit der Verehrung der unsterblichen Götter verbinde, dass diesem öffentlich gedankt wird, wessen Grab irgendwo steht, wo Totenopfer dargebracht werden. Ich hätte aber diese Ansicht gesagt, versammelte Väter, damit ich mich leicht vor dem römischen Volk verteidigen könnte, wenn dem Staat sich ein schweres Unglück ereignet hätte, wenn Krieg, wenn Krankheiten, wenn Hungersnot; diese sind schon zum Teil, zum Teil fürchte ich, dass sie bevorstehen. Aber mögen uns die unsterblichen Götter dies verzeihen und dem römischen Volk, das dies nicht billigt, und der Versammlung, die gegen ihren Willen entschieden hat. 14 Was? Ist es etwa erlaubt über die übrigen Übel des Staates zu sprechen? Mir ist es aber erlaubt und wird es immer erlaubt sein Würde zu bewahren, den Tod zu verachten. Es soll nur die Möglichkeit sein, an diesen Ort zu kommen: Ich weise nicht die Gefahr zu sprechen zurück. Und hätte ich, versammelte Väter, an den Sexten der Kalenden anwesend sein können! Nicht als ob etwas ausgerichtet werden könnte, sondern damit nicht nur ein einziger Konsul für unsere Republik würdig gefunden würde, würdig jener Ehre, was sich damals ereignet hat. Ich empfing aus dieser Sache großen Schmerz, dass Menschen, die sich äußerst prächtigen Auszeichnungen des römischen Volkes bedienten, nicht dem Führer L. Piso des besten Rates gefolgt waren. Machte uns deswegen das römische Volk Konsuln, damit wir den Staat für nichts achten, sobald die höchste Stufe der Würde gesetzt ist? Nicht nur durch Stimmen, sondern auch nicht durch Miene stimmte kein Konsul L. Piso zu. 15 Schlimm - wie ist diese freiwillige Knechtschaft? Eine gewisse sei wohl notwendig; ich verlange nicht dies von allen denen, die den Rat sagen als gesetzte Konsuln. Ich verzeihe den einen wegen dieser Sachen ihr Schweigen; bei anderen, von denen suchte ich die Stimme. Diese jedenfalls bemitleide ich, dass sie bei dem römischen Volk in den Verdacht kommen, nicht durch Furcht, was selbst schändlich wäre, sondern aus einem anderen Grund ihrer Würde versagen. Aus diesem Grund danke ich und habe ich großen Dank dem Piso, der nicht überlegt hat, was er im Staat bewirken könne, sondern was er selbst machen müsse. Dann bitte ich von euch, versammelte Väter, dass, auch wenn ihr weniger wagen werdet meiner Gesinnung und meinem Willen zu folgen, dennoch wohlwollend mich anhört, wie ihr es bisher gemacht habt. 16 Zuerst halte ich dafür, dass die Taten Caesars gehütet werden, nicht als ob ich sie billige – wer könnte dies jedenfalls? – sondern weil ich glaube, dass die Gesinnung des Friedens und der Muße am meisten zu halten ist. Ich wünschte, M. Antonius wäre anwesend, nur ohne Rechtsbeistände – wie ich meine, es sei diesem erlaubt weniger gesund zu sein, was mir gestern über jenen nicht erlaubt war - er würde mich lehren oder eher euch, versammelte Väter, auf welche Weise er selbst die Taten Caesars verteidige. Sei es, dass in Handschriften und Büchlein, aufgeführt durch seine einzige Gewähr, nicht aufgeführt sondern sogar nur gesagt, werden Caesars Taten gefestigt seien. Was jener in Erz eingravierte, in welchem er wollte, dass er dem Volk Beschlüsse und ewige Gesetzte sind, wird für nichts geachtet? 17 Ich jedenfalls glaube, dass nichts so in den Verfügungen Caesars ist, wie die Gesetzte Caesars. Soll dies fest sein, was er nicht machen konnte, wenn jener irgendwem etwas versprochen hat? Wie er vielen viel versprochen, es nicht tat: Dennoch sind viel mehr Dinge nach jenem Tod entdeckt worden, als vom Lebendigen in den ganzen Jahren die Wohltaten zugeteilt und gegeben worden sind. Aber die ändere ich nicht, ich bewege es nicht: Mit höchstem Eifer verteidige ich die hochberühmten Taten von jenem. Wenn nur das Geld bei Ops geblieben wäre! Jene sind blutbefleckt, aber in diesen Zeiten notwendig, da ja nicht denen, von denen es ist, zurückgegeben wird. Obgleich es auch verbraucht sein soll, wenn es so in den Verfügungen war. 18 Und welche Verfügung könnte so eigentümlich ein Gesetz dessen genannt werden, der sich als römischer Bürger im Staat mit Macht und Gewalt aufhält? Frage nach den Verfügungen der Grachen. Es werden die Sempronischen Gesetze vorgewiesen, frage nach den Sullas: die Cornelischen. Was? Über welche Verfügungen beschloss das dritte Konsulatsjahr des Pompeius? Freilich über Gesetze. Wenn du Caesar selbst fragen würdest, was er in der Stadt und in Toga ausgeführt habe, würde er antworten, dass er viele und ausgezeichnete Gesetze getragen habe, aber die Handschriften würde er ändern oder nicht geben oder wenn er sie gegeben hätte, nicht für solche Sachen in seinen Verfügungen halten. Aber ich erkenne dies an; ich drücke auch in gewissen Dingen ein Auge zu; aber ich glaube nicht, dass man bei größten Sachen, dies ist bei den Gesetzen, tragen darf, dass die Verfügungen Caesars aufgelöst werden. 19 Welches Gesetz ist besser, nützlicher, öfter gefordert auch im besten Staat, als dass nicht in der prätorischen Provinz mehr als ein Jahr und nicht mehr als zwei Jahre die Konsuln beibehalten werden? Wenn dies Gesetz beseitigt worden ist, scheinen euch die Verfügungen Caesars befolgt werden zu können? Was? Werden nicht etwa durch dies bekannt gegebene Gesetz über die dritte Abteilung alle Gerichtsgesetze Caesars aufgelöst? Und ihr verteidigt Caesars Verfügungen, die ihr dessen Gesetze zu Fall gebracht habt? Dies wird zu seinen Verfügungen gezählt, wenn er etwas in sein Büchlein überlieferte des Gedächtnisses wegen, und es wird verteidigt, sei es ungerecht oder unnütz: Was er in einer von Zenturien beschlossenen Versammlung zum Volk getragen hat, dies wird nicht in den Verfügungen Caesars gehalten. 20 Und wie ist diese dritte Abteilung? Man sagt: „ Aus Zenturien.“ Was? Duldete das Richteramt dieser Ordnung nicht durch das Julische Gesetz, auch vorher durch das pompeische und aurelische? Man sagt: „Ein bestimmtes Vermögen wurde festgelegt.“ Nicht nur für Offiziere, sondern auch für römische Ritte; daher urteilen und haben geurteilt sowohl die tapfersten als auch die edelsten Männer und die, die Reihen führten. Man sagt: „ Nach diesen frage ich nicht: Wer auch immer die Reihe geführt hat, soll richten!“ Und wenn ihr dies nur für einen Reiter zugeteilt hättet, was ansehnlicher ist, würdet ihr niemanden billigen; bei einem auf Ehre achten. Man sagt: „Ich suche nicht dies: Ich füge sogar gewöhnliche Soldaten zu den Richtern aus der Haubenlerchen Legion. Unsere verneinen nämlich andernfalls, dass sie stark sein können. O schändliche Auszeichnung für diese, die ihr nichtsahnend zu Richtern ruft! Dies nämlich ist das Kennzeichen des Gesetzes, damit in diesen Sachen der dritten Abteilung beurteilen, die nicht wagen, frei zu urteilen. Was für ein Irrtum ist in diesen, unsterbliche Götter! Von denen, die sich dies Gesetz ausgedacht haben! Wie jemand besonders niedrig erscheinen wird, so soll er besonders gerne durch strengeres Urteilen seinen Schmutz waschen und er wird arbeiten, dass er für das Ansehen der Abteilung eher würdig erscheint, als dass mit Recht zu schändlichem geschlossen sei. 21 Ein weiteres Gesetz ist vorgeschlagen, dass die, die wegen Gewalt und Hochverrat sind, zum Volk auffordern, wenn sie wollen. Ist dies schließlich ein Gesetz oder die Aufhebung aller Gesetze? Wer ist heute, dem es wichtig ist, dass dies Gesetz bleibt? Keiner ist wegen jener Gesetze angeklagt; lasst uns glauben, dass es keiner sein wird. Durch Waffen entstandene werden niemals vor Gericht gerufen. „ Die Sache ist des Volkes.“ Hoffentlich wollt ihr, dass etwas für das Volk ist! Alle Bürger nämlich stimmen über das Wohl des Staates in einer Stimme und Gesinnung überein. Welche Begierde ist also, dessen Gesetz zu tragen, das höchste Schande hat, aber keinen Dank? Was aber ist schändlicher, als wer die Hoheit des römischen Volkes schmälert durch Gewalt, diesen, nachdem er vom Gericht verurteilt ist, zur selben Gewalt zurückkehrt, wegen welcher er mit Recht verurteilt ist? 22 Aber was rede ich mehr über das Gesetz? Als ob dies verhandelt wird, dass einer Berufung einlegte: Dies wird verhandelt, dies wird gebracht, dass nicht irgendwer jemals im Ganzen durch diese Gesetze angeklagt wird. Welcher so sinnlose Ankläger wird gefunden, der sich, wenn der Angeklagte verurteilt ist, der zusammengebrachten Menge ausliefern will, oder welcher Richter, der es wagt, den Angeklagten zu verurteilen, um selbst für bestochene Tätigkeit gezogen zu werden? Nicht also wird Berufung durch dies Gesetz gegeben, sondern zwei äußerst heilbringende Gesetze und Gerichtshöfe werden beseitigt. Was ist anders als junge Leute zu ermahnen, dass sie unruhige, aufrührerische und schändliche Bürger sein wollen? Zu welchem Unheil könnte das Toben der Tribunen nicht bewegt werden, wenn diese zwei Gerichtshöfe über Gewalt und Hochverrat beseitigt worden sind?

Autor: Gloria