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Philippica - Buch 1, Kap. 01-11


1. Bevor ich dies über den Staat, versammelte Väter, sage, was ich glaube in dieser Zeit sagen zu müssen, werde ich euch kurz den Beschluss meines Aufbruchs und meiner Rückkehr darlegen. Als ich hoffte irgendwann, dass der Staat zu eurem Beschluss und Einfluss zurückgerufen sei, setzte ich fest, dass ich bleiben muss, wie auf einer Wache eines gewissen Konsuls und Senators. Weder aber wich ich, noch wandte ich die Augen vom Staat von dem Tag, an dem wir im Gebäude der Tellus versammelt waren. In diesem Tempel legte ich, wie viel in mir war, die Grundlage für Frieden und ich erneuerte ein altes Beispiel in Athen; ich gebrauchte auch das griechische Wort, das damals in jenem Staat für die Eindämmung von Unstimmigkeiten benutzt wurden und ich setzte fest, dass jede Erinnerung an die Unstimmigkeiten in ewigem Vergessen zu zerstören sind.

2. Vortrefflich war damals die Rede des M. Antonius, herausragend auch der Willen; schließlich wurde durch ihn uns seine Kinder mit den hervorragendsten Bürgern Frieden geschlossen. Und das übrige stimmte mit diesen Anfängen überein. Zu diesen Beratungen, die er zu Hause hielt, über den Staat zog er die Führer des Staats hinzu; zu dieser Versammlung schlug er beste Dinge vor; damals fand ich nichts in G. Caesars Aufzeichnungen, außer was bei allen bekannt war; mit größter Standhaftigkeit antwortete er zu allem, was gefragt worden war.

3. „Sind Verbannte zurückgeführt worden?“ –„Einer“, sagte er „darüber hinaus keiner.“ „Sind Abgabenfreiheiten gegeben worden?“ – „Keine.“, antwortete er. Er wollte, dass wir auch Ser. Sulpicius zustimmen, einem äußerst berühmten Mann, damit nicht eine Tafel eines Beschlusses Caesars oder einer Wohltat nach den Iden des März angeheftet wurde. Ich übergehe vieles und dies vorzügliche; es eilt nämlich die Rede zu einer beispiellosen Tat des M. Antonius. Er hat die Diktatur, die schon Kraft königlicher Macht besaß, aus dem Staat gänzlich beseitigt; über dies haben wir jedenfalls nicht abgestimmt. Er brachte eine Schrift des Senatsbeschlusses, den er wollte, dass er geschieht; nach der Lesung sind wir dessen Rat mit höchstem Eifer gefolgt und haben ihm mit äußerst angesehenen Worten für desn Senatsbeschluss gedankt.

4. Ein gewisses Licht schien uns entgegengetreten, nicht nur durch königliche Herrschaft, die wir ertragen mussten, sondern auch durch beseitigte Furcht vor königlicher Herrschaft, und von diesem war dem Staatein großes Pfand gegeben, das er wolle, dass es eine freie Bürgerschaft sei, während er den Namen des Diktators, was oft gerechtfertigt gewesen sei, dass er es wegen frischer Erinnerung an die fortdauernde Diktatur völlig aus dem Staat beseitigt hatte.

5. Die Gefahr des Tötens vom Senat ist nach wenigen Tagen unterbunden worden; der Haken ist jenem Flüchtigen, der sich den Namen Marius anmaßte, eingetrieben. Und alles dies gemeinsam mit den Kollegen; ein anderes Eigentum Dolabellas freilich, wenn nicht der Kollege abwesend gewesen wäre, glaube ich, wäre Gemeinschaft bei diesen gewesen. Denn als sich ein grenzenloses Übel in die Stadt schlich und sich dies in den Tagen weiter verbreitete, und diejenigen auf dem Forum einen Scheiterhaufen machten, die jenes unbegrabene Begräbnis ausführten, und täglich mehr und mehr verlorene Menschen mit ihren ähnlichen Sklaven die Tempel und Häuser der Stadt bedrohten, da war der Tadel des Dolabella so gegen den frechen und verbrecherische Sklaven, dann hat er unredliche und ruchlose Freie, und solches Umwerfen jener verwünschten Säule, dass mir wunderlich erschien, dass so sehr die übrige Zeit von jenem einen Tag widersprach.

6. Und siehe nämlich an den Kalenden des Juni, an denen er verkündet hatte, dass wir uns versammeln, ist alles verändert gewesen: nichts über den Senat, vieles und wichtiges über das Volk und in Abwesenheit vom Volk und gegen den Willen. Die künftigen Konsuln verneinten zu wagen in den Senat zu gehen. Die Befreier des Vaterlandes blieben von der Stadt fern, von dessen Nacken sie das sklavische Joch abgeworfen hatten, die dennoch selbst die Konsuln bei Versammlungen und jedem Gespräch lobten. Die sogenannten Altgedienten, für die diese Ordnung besonders sorgfältig gesorgt hatte, wurden angetrieben nicht zur Erhaltung der Sachen, die sie hatten, sondern zur Hoffnung auf neue Beute. Weil ich dies lieber hören wollte, als sehen und ich das Recht eines freien Gesandten hatte, wich ich in der Gesinnung, an den Kalenden des Januar anwesend zu sein, was mir der Beginn des zu versammelnden Senats zu sein schien.

7. Ich habe dargelegt, versammelte Väter, den Grund des Aufbruchs, nun werde ich kurz den der Rückkehr, die mehr der Verwunderung hält, darlegen. Da ich Brundisium und jenen Weg der gewöhnlich nach Griechenland ist, nicht ohne Grund gemieden habe, kam ich an den Kalenden des Sexten nach Syrakus, was von dieser Stadt als Überweg nach Griechenland gelobt wurde: diese mir äußerst verbundene Stadt konnte mich dennoch nicht zurückhalten mehr als eine Nacht, obwohl sie es begehrte. Ich fürchtete, dass meine plötzliche Ankunft bei meinen Verwandten etwas des Verdachts heranbrächte, wenn ich verweilen würde.

8. Als aber mich die Winde von Sizilien nach Leukopetra wegtrugen, was ein Vorgebirge von Regium ist, bestieg ich von diesem Ort, um herüberzufahren; und nicht so viel fortgefahren, bin ich vom Südwind zurückgeworfen in denselben Ort, woher ich eingestiegen war. Und weil tiefe Nacht war, und ich im Haus des P. Valerius blieb, eines Begleiters und Freundes, und ich am folgenden Tag bei ebendiesem blieb, Wind erwartend, kamen mehrere Bürger von Regium zu mir, die kürzlich aus Rom gekommen waren. Von diesen empfing ich zuerst die Rede des M. Antonius, die mir so sehr gefiel, dass ich, nachdem ich sie gelesen hatte zuerst begann über meine Rückkehr nachzudenken. Und nicht so viel später wird ein Bescheid des Brutus und des Cassius herangebracht, der mir jedenfalls voll Gleichmut schien, vielleicht weil ich diese mehr auch des Staates wegen als der Freundschaft schätzte. Ferner fügten sie hinzu – es geschieht nämlich häufig, dass die etwas gutes hinzufügen wollen, etwas erdichten, wodurch sie das, was sie verkünden, froher machen - dass eine Sache übereinkommen werde: an den Kalenden werde der Senat versammelt sein; Antonius werde, nachdem er sie schlechten Beratungsreden von sich gewiesen hat, zum Willen des Staates zurückkehren, nachdem er auf die gallischen Provinzen verzichtet hat.

9. Dann bin ich von einer solchen Begierde entfacht zur Rückkehr, dass mir kein Ruder und kein Wind genug machten, nicht, als ob ich glaubte nicht zur Zeit einzutreffen, sondern damit nicht zu spät, als dass ich wünschte, dem Staat zu gratulieren. Und schnell nach Velia gebracht, sah ich Brutus: ich sage nicht, wie stark mein Schmerz war. Mir schien es schändlich in diese Stadt mich zurück zu wagen, aus der Brutus wich, und dort im Sicheren sein zu wollen, wo jener nicht konnte. Ich sah, dass jener nicht in ähnlicher Weise bewegt war, wie ich selbst es war. Aufgerichtet durch Erinnerung nämlich seiner äußerst großen und schönen Taten, klagte er nichts übersein eigenes Schicksal, viel über euer.

10. Von diesem erfuhr ich zuerst die Rede, die von L. Piso an den Sexten im Senat war: Obwohl zu wenig war – dies hatte ich nämlich selbst von Brutus gehört – von denen er Hilfe geschuldet hatte, schien mir dennoch durch sowohl das Zeugnis des Brutus – was kann schwerer sein als dies? – als auch durch die Verkündigungen aller die ich später sah, dass er großen Ruhm verfolgte. Also eilte ich, um diesem zu folgen, dem die Anwesenden nicht gefolgt sind, nicht um etwas auszurichten – und ich hoffte dies nicht und konnte es nicht verbürgen -, sondern um, wenn mir sich etwas Menschlichkeit ereignete – viele aber schien zu hindern nebst der Natur auch das Schicksal – dem Staat dennoch ein beredetes Zeugnis dieses Tages zu hinterlassen meiner fortlaufenden Werke des Willens für ihn.

11. Da ich euch den Grund des zweifachen Entschlusses, versammelte Väter, vertrauensvoll machte, möchte ich, bevor ich beginne dies über den Staat zu sagen, ein wenig über das gestrige Unrecht des M. Antonius klagen: Ich bin mit diesem befreundet und ich trug immer, dass ich dafür bin, dass ich für manche Gefälligkeit von ihm schulde. Was war schließlich der Grund, warum ich am gestrigen tag so heftig in den Senat gezwungen wurde? War ich etwa als einziger abwesend oder wart ihr nicht oft weniger zahlreich, oder wurde diese Sache verhandelt, dass es nötig war auch Kranke herbeizubringen? Ich glaube, Hannibal war vor den Toren oder es wurde über Frieden mit Pyrrhos verhandelt, zu welchem Grund in Erinnerung überliefert ist, dass jener sowohl alte als auch blinde Appius getragen wurde.

Autor: Gloria