Latein24.de

Orator - 118-120 (Die Ausbildung des perfekten Redners)

117 Diese Fähigkeit wird also in dem sein, von dem wir wollen, dass er redegewandt ist, dass er die Sache definieren kann und nicht die Sache so kurz und schlicht macht, wie es in jenen sehr gelehrten Abhandlungen zu geschehen pflegt, sondern sowohl deutlicher als auch reichlicher und angepasster an das gemeinsame Urteil und das Verständnis des Volkes. Und derselbe wird auch wenn es die Sache erfordern wird eine Gattung in bestimmte Arten aufteilen, damit nichts weder ausgelassen wird, noch zuviel da gewesen ist.
Wenn er es macht und auf welche Weise, ist nichts für diese Zeit, weil ich will, dass ich der Kritiker bin und nicht der Lehrer.

118 Er sei aber nicht nur versehen zur Gesprächsführung, aber er habe alle bekannten und behandelten Bereiche der Philosophie. Er soll aber nicht nur in der Gesprächsführung bewandert sind, sondern auch alle bekannten und behandelten Bereiche der Philosophie beherrschen. Denn nichts über die Religion, nichts über die Sitte, nichts über Frömmigkeit, nichts über Wertschätzung des Vaterlandes, nichts von guten und schlechten Tugenden oder Mängeln, nichts über arbeit, nichts von Schmerz, nichts von Freude, nichts über die Verwirrung und Irrungen der Seele, die oft die Prozesse betreffen, aber nüchterner betrieben werden, nichts, wiederhole ich, kann ohne das Wissen, das ich genannt habe, bedeutend, umfassend und vielschichtig gesagt und ausgeführt werden.

119 Über den Stoff der Rede, rede ich jetzt, nicht über die Art der Rede selbst. Denn ich will, dass der Redner vorher ein Thema hat, das einem gebildeten Zuhörer würdig ist, über das er spricht, hinsichtlich dessen er bedenkt, mit welchen Worten und was er sagt oder wie (er es sagt). Ich will auch dass dieser, wodurch er großartiger sei und in gewisser Weisen erhabener, nicht einmal unkundig der Naturphilosophen ist. Tatsächlich alles, wenn er sich von den himmlischen zu den menschlichen Angelegenheiten zurückwenden wird, wird er erhabener und großartiger sagen und empfinden.

120 Und wenn er das Göttliche kennen gelernt hat, will ich nicht, dass er nicht einmal dieses Menschliche weiß. Er möge das Zivilrecht beherrschen, dessen die Verhandlungen auf dem Forum täglich bedürfen, als Anwaltsaufgaben die Gesetze betreffenden und bürgerlichen Streitigkeiten zunehmen, wenn du die Gesetze und das bürgerliche Recht nicht kennst? Er möge auch erkennen die Reihenfolge der Geschichte und Vergangenheit, insbesondere unseres Staates, aber auch die mächtiger Völker und berühmter Könige. Nicht zu wissen, was geschehen ist, bevor du geboren bist, das heißt für immer ein Knabe zu sein. Was ist nämlich das Zeitalter des Menschen, wenn nicht die Erinnerung an die Geschichte mit dem Zeitalter der Zukünftigen verbunden wird? Aber die Erwähnung der Vorzeit und das Vortragen der Beispiele tragen mit höchster Freude sowohl zum Einfluss als auch zur Glaubwürdigkeit der Rede bei.

Autor: temmae