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Orator - 020-022

20 Es gibt überhaupt nur drei Redearten, in denen bestimmte Leute im Einzelnen blühen; gleichermaßen aber ist das, was wir wollen, dass sehr wenige (Leute) in allen Arten (blühen). Denn die hochtönenden Redner, sozusagen, mit der prächtigen Bedeutung von Gedanken und Majestät von Worten, sehr nuancenreich und sehr ausdrucksstark, sind zum Bewegen und zum Umstimmen der Menschen ausgerüstet und vorbereitet – gerade dies strebten die einen mit einer rauen, barschen, abstoßenden Redeweise ohne Abrundung und richtigen Schluss an, die anderen mit einer glatten, in harmonische Teile zerlegten Redeweise -; Und dagegen: Die schlichten, genauen Redner, die ziemlich einleuchtend lehren ohne es prächtiger zu machen, sind ausgefeilt in einer feinen und knappen Redeweise; und in eben dieser Art gibt es die einen, die raffiniert sind, aber ungefeilt und absichtlich den Ungebildeten und Ungeschulten ähnlich, die anderen, in derselben Nüchternheit, sind ziemlich elegant, aufblühend und sogar leicht geschmückt (in ihrer Redeweise), das heißt anmutig.

21 Es ist aber eingeschoben, zwischen diesen Rednern, ein mittlerer Redner mit gemäßigtem Temperament, der weder den Scharfsinn der Ersten noch den Donnerschlag der Nachfolgenden benutzt, ein Nachbar von beiden, in keinen von beiden hervortuend, an beiden beteiligt oder vielmehr nicht beteiligt, wenn wir die Wahrheit suchen; und dieser fließt, wie man sagt, in einem ununterbrochenen Lauf im Reden, nichts an sich habend außer Bequemlichkeit und Gleichmäßigkeit oder der irgendwelche Verzierungen hinzufügt und die ganze Rede mit gemäßigten Schmuck von Wörtern und Worten belebt.

22 Wer auch immer einer einzigen Kraft dieser einzelnen Arten nachfolgt, erhält einen großen Namen unter Rednern. Aber man muss sich fragen, ob sie genügend bewirkt haben, was wir wollen. Wir sehen nämlich, dass es einige gibt, die zugleich geschmückt und schwer reden, die aber zugleich auch gewandt und fein reden. Und wenn wir doch nur ein Ebenbild eines solchen Redners unter lateinischen Rednern finden könnten!

Autor: bittersweet

Kommentar des Autors: Cicero beschreibt hier die drei Redestile und ihre Wirkung. Der erste Redestil (genus dicendi) ist emotional und wortreich im Ausdruck. Die zweite Redeart ist klar, präzise und sachlich. Dazwischen gibt es zusätzlich noch ein genus dicendi, das eine Mittelart zwischen den beiden ersten Redestilen bildet.