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Orator - 008-010 (Ideenlehre Platons)

8: Ich stelle fest, dass in keinem Bereich irgendetwas so schön ist, dass nicht dieses schöner sei als jenes, von wo jenes gleichsam wie von einer Mündung wie ein Bild ausgedrückt wird, was von den Augen noch von den Ohren noch von irgendeinem Sinn erfasst werden kann; so viel ergreifen wir durch das Denken und den Geist. Deshalb können wir uns als Schöneres sowohl die Bilder des Phidias vorstellen, welche wir in keinem Kunstgebiet vollkommener sehen, als auch diese Malereien, welche ich benannte.

9: Aber auch jener Künstler betrachtete nicht irgendjemanden, als er die Gestalt des Jupiters oder der Minerva machte, aus welchem er eine Ähnlichkeit ableiten konnte, sondern im Geist von ihm selbst saß eine außergewöhnliche Vorstellung von Schönheit, welche er betrachtend und in jener fixiert seine Hand und seine Kunst lenkte hin zur Ähnlichkeit dieser Vorstellung. Wie es also bei Statuen und Bildern irgendetwas Vollkommeneres und Herausragenderes gibt, auf dessen ausgedachte Vorstellung sich bei der Nachahmung das bezieht, was nicht in den Bereich der visuellen Wahrnehmung fällt, so sehen wir im Geist ein Bild der vollkommenen Redekunst, mit den Ohren aber versuchen wir, dessen Arbeit aufzunehmen.

10: Jener sehr ehrwürdige Verfass und Meister, nicht nur des Verstehens sondern auch des Redens, Platon, nannte diese Urbilder der Dinge Ideen. Er verneint, dass diese auch hervorgebracht werden und er sagt, dass diese immer sind und, dass diese durch vernunftgemäße Erkenntnis erfasst werden und, dass die anderen Dingen entstehen, wieder vergehen, dahin fließen und fortgleiten; und es befinde sich länger in ein und denselben Zustand.

Autor: Reitnerburli