Latein24.de

In Verrem - Buch 2.4, 110, 02 - 111

Lateinisches Original:
Qui tandem istius animus est nunc in recordatione scelerum suorum, cum ego ipse in commemoratione eorum non solum animo commovear verum etiam corpore perhorrescam? Venit enim mihi fani, loci, religionis illius in mentem; versantur ante oculos omnia, dies ille quo, cum ego Hennam venissem, praesto mihi sacerdotes Cereris cum infulis ac verbenis fuerunt, contio conventusque civium, in quo ego cum loquerer tanti gemitus fletusque fiebant ut acerbissimus tota urbe luctus versari videretur. Non illi decumarum imperia, non bonorum direptiones, non iniqua iudicia, non importunas istius libidines, non vim, non contumelias quibus vexati oppressique erant conquerebantur; Cereris numen, sacrorum vetustatem, fani religionem istius sceleratissimi atque audacissimi supplicio expiari volebant; omnia se cetera pati ac neglegere dicebant. Hic dolor erat tantus ut Verres alter Orcus venisse Hennam et non Proserpinam asportasse sed ipsam abripuisse Cererem videretur. Etenim urbs illa non urbs videtur, sed fanum Cereris esse; habitare apud sese Cererem Hennenses arbitrantur, ut mihi non cives illius civitatis, sed omnes sacerdotes, omnes accolae atque antistites Cereris esse videantur.


Übersetzung Latein-Deutsch:
Wie muss es erst dem Angeklagten zumute sein, nun in der Erinnerung an seine Frevel, wenn ich selbst durch die Erwähnung derer allein nicht nur im Sinn bewegt werde, sondern auch mit dem Körper erschudere?
Ich erinnere mich nämlich an den Tempel, jene Stelle, jenes Heiligtum;
Alles steht mir vor Augen: jener Tag, an dem, als ich nach Henna gekommen war, mir die Priester der Ceres in priesterlichem Schmuck anwesend waren, die Versammlung und Zusammenkunft der Bürger, in welcher, als ich sprach, so großes Jammern und Weinen entstand, dass es schien, dass tiefste Trauer in der Stadt herrscht.
Nicht die auferlegten Steuern, nicht die Plünderungen der Güter, nicht ungerechten Urteile, nicht die brutalen Begierden des Angeklagten, nicht die Gewalt, nicht die Misshandlungen, mit welchen sie erschüttert und überfallen worden waren, beklagten sie;
Sie wollten, dass die göttliche Macht der Ceres, das Alter der Götterbilder, die Würde des Heiligtums durch die Bestrafung von diesem Verbrecherischen und Kühnen gerächt wird.
Sie sagten, dass sie alles Übrige aushalten und ignorieren.
Dieser Schmerz war groß, dass es schien, dass Verres als ein zweiter Hades nach Henna gekommen war und nicht Proserpina fortgetragen hätte, sondern Ceres selbst geraubt hatte.
Die Stadt schien nämlich keine Stadt, sondern ein Heiligtum der Ceres zu sein.
Die Einwohner von Henna glaubten, dass Ceres bei ihnen wohnt, dass sie mir nicht die Bürger dieser Stadt, sondern alle Priester, alle Anwohner und Priester der Ceres zu sein schienen.

Autor: dini99