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In Verrem - Buch 2.4, 077 (Raub der Dianastatue von Segesta)


Seht wie groß die Ehrfurcht war. Ihr müsst nämlich wissen, Richter : bei den Segestanern fand sich niemand, kein Freier und kein Sklave, kein Bürger und kein Fremder, der das Bildnis zu berühren gewagt hätte. Aus Lilybaeum hat man, müßt ihr wissen, einige ausländische Arbeiter herbeigeholt. Die ahnten nichts von der Sache und kannten keine Scheu; sie beseitigten endlich das Bildnis gegen baren Lohn. Als es nun aus der Stadt geschafft wurde, welch Gedränge der Frauen, glaubt ihr, hat es da gegeben, welch Gejammer der älteren Leute? Einige von ihnen erinnerten sich sogar noch jenes Tages, an dem eben diese Diana, von Karthago nach Segesta zurückgebracht, durch ihre Heimkehr den Sieg des römischen Volkes verkündet hatte. Wie ungleich nahm sich die Gegenwart vor der Vergangenheit aus! Damals brachte der berühmteste Feldherr des römischen Volkes den Segestanern die angestammten, aus der Stadt der Feinde wiedergewonnenen Götter zurück; jetzt nahm der schändlichste und gewissenloseste Prätor desselben Volkes in verruchtem Frevelmut dieselben Götter aus der Stadt der Bundesgenossen weg. Was ist in ganz Sizilien besser bekannt, als dass alle Frauen und Mädchen von Segesta zusammenströmten, während man die Diana aus der Stadt schaffte, dass sie das Bildnis mit Salben bestrichen, mit Kränzen und Blumen behängten, mit Weihrauch und brennenden Wohlgerüchen bis an die Grenze ihres Gebietes begleiteten?

Autor: pyxis

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