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In Verrem - Buch 2.4, 073-076

[73] Einige Generationen später besetzte Publius Scipio im dritten Punischen Krieg Karthago. In diesem Sieg – seht die Tapferkeit und Sorgfalt dieses Mannes, dass ihr euch sowohl über die häuslichen Beispiele der überaus berühmten Tapferkeit freut, als auch mit umso größerem Hass die Schande dessen da und die unglaubliche Tollkühnheit beurteilt! – befahl er, nachdem alle Sikuler versammelt worden waren, dass alle zusammengerufen werden sollen, weil er erkannt hatte, dass Sizilien sehr lange und sehr häufig von den Karthagern verheert worden war; er versprach, dass es ihm von großer Sorge sein würde, dass alles den Bürgerschaften (Stadtstaaten), was einem jeden gehört habe, zurückgegeben werde. Dann ist jenes, was einst von Himera weggeschafft worden war, worüber ich bereits berichtet habe, den Thermitanern zurückgegeben worden und anderes ist den Einwohnern von Gela und wieder anderes den Einwohnern von Agrigent zurückerstattet worden. Unter diesen war auch jener berühmte Stier, den Phalaris, der grausamste aller Tyrannen, wie man sagt, besessen haben soll, wohin er die Menschen wegen der Bestrafung lebendig hinabsteigen zu lassen und darunter Feuer anzulegen pflegte. Als Scipio diesen Stier den Bewohnern von Agrigent zurückgab, soll er gesagt haben, dass es angemessen sei, dass jene darüber nachdächten, ob es für die Bewohner von Agrigent vorteilhafter sei, entweder ihren eigenen Leuten zu dienen, oder dem römischen Volk zu gehorchen, weil sie dasselbe Denkmal einerseits für die einheimische Grausamkeit und andererseits für unsere Milde hätten.

[74] Zu jener Zeit wurde den Bewohnern von Segesta mit größter Sorgfalt diese Diana selbst, über die wir sprechen, zurückgegeben; sie wurde nach Segesta zurückgebracht; in ihren alten Tempeln wurde sie mit der überschwänglichsten Freude ihrer Bürger wiederaufgestellt. Diese war in Segesta ganz hoch auf einen Sockel gestellt worden, auf welchen in großen Buchstaben der Name Publius Africanus eingemeißelt worden war und es war geschrieben worden, dass dieser sie nach der Einnahme von Karthago wiederaufgestellt habe. Sie wurde von den Bürgern verehrt und von allen Fremden besucht; als ich Quästor war, ist mir nichts von jenem früher gezeigt worden. Es war ein äußerst großes erhabenes Bildnis mit einer Stola; aber doch hatte sie in ihrer Größe das Alter und die Haltung eines jungen Mädchens; die Pfeile hingen von ihrer Schulter herab, in der linken Hand hielt sie einen Bogen, mit der rechten hielt sie eine brennende Fackel vor sich.

[75] Als dieser Feind und Räuber aller Heiligtümer und Verehrungen diese gesehen hatte, ist er gleichsam von jener Fackel getroffen worden und so begann er in Gier und in Wahnsinn zu entbrennen. Er befahl den Beamten, dass sie diese herunternehmen und ihm geben sollten; er zeigte, dass ihm in Zukunft nichts lieber (willkommener) sein werde. Sie sagten aber zu jenem, dass es für sie ein Frevel sei, und dass sie einerseits durch überaus großer Verehrung und andererseits durch überaus großer Angst vor den Gesetzen und den Urteilen gehalten werden. Dieser bat dann jene, dann drohte er ihnen, dann flößte er ihnen Hoffnung ein, dann machte er ihnen Angst. Sie hielten jenem öfters den Namen Publius Africanus entgegen; sie sagten, dass jenes Sache des römischen Volkes sei; er hätte keinen Anspruch auf diese, weil der überaus berühmte Feldherr nach Übernahme der Stadt der Feinde gewollt habe, dass dies ein Monument des Sieges des römischen Volkes sei.

[76] Als dieser Tag für Tag um nichts nachlässiger und auch viel heftiger darauf drängte, wurde die Sache im Senat besprochen: Es wurde von allen heftig Widerspruch erhoben. Daher wurde er zu jener Zeit und bei seiner ersten Ankunft abgewiesen. Später bürdete er alles, was bei der Anforderung von Matrosen und Ruderern und bei der Beschaffung von Getreide an Last entstand, den Segestanern mehr als den übrigen auf, bedeutend mehr, als sie ertragen konnten. Außerdem lud er die Beamten dieser vor, er ließ gerade die besten und edelsten zu sich kommen, schleppte sie durch die ganze Provinz von Forum zu Forum und jedem einzelnen kündigte er an, dass es ihm Unglück sein werde und drohte allen, dass er jene Bürgerschaft von Grund auf vernichten werde. Deshalb entschieden die Segestaner durch viel Übel und große Furcht besiegt, dem Befehl des Prätors gehorchen zu müssen. Mit großer Trauer und Klage der ganzen Bürgerschaft und mit vielen Tränen und großem Jammer aller Männer und Frauen wurde die Entfernung der Statue der Diana in Auftrag gegeben.

Eine Übersetzung von Thomas Fiege