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De Re Publica - Buch 3, Kap. 34-37


34. Aber diesen Strafen, die sogar die Dümmsten fühlen, (nämlich) Armut, Verbannung, Gefängnis und Folter, entgleiten oft Einzelne durch die Möglichkeit des raschen Todes, für Staaten aber ist der Tod selbst eine Strafe, der Einzelne von der Strafe zu befreien scheint, es muss nämlich ein Staat so verfasst sein, dass er ewig ist. Deshalb gibt es keinen natürlichen Untergang des Staates wie den Untergang des Menschen, für den der Tod nicht nur notwendig, sondern oft sogar wünschenswert ist. Wenn aber ein Staat beseitigt, zerstört und ausgelöscht wird, so ist es gewissermaßen ähnlich, um kleines mit großem zu vergleichen, wie wenn diese ganze Welt unterginge und zusammenstürzte.
35. Jene Kriege sind ungerecht, die ohne Grund unternommen wurden. Denn es kann kein gerechter Krieg geführt werden außer um sich zu rächen oder die Feinde abzuwehren. Kein Krieg wir für gerecht gehalten, wenn er nicht angekündigt, wenn er nicht formell erklärt worden ist und wenn er nicht aus Gründen der Wiedererlangung geführt wird. Unser Volk aber hat, dadurch dass es Bundesgenossen verteidigte, sich bereits aller Länder bemächtigt. 36. Oder sehen wir nicht, dass gerade den Besten von der Natur selbst die Herrschaft zum höchsten Nutzen für die Schwächeren gegeben worden ist? Warum also beherrscht Gott die Menschen, der Geist den Körper, die Vernunft den Treib, den Jähzorn und die lasterhaften Teile des übrigen Geistes? ... 37. Aber man muss auch die Unterschiedlichkeiten beim Befehlen und Dienen erkennen. Denn wie man sagt, dass der Geist den Körper beherrscht, so herrscht er auch über den trieb, aber über den Körper herrscht er wie ein König über seine Untertanen oder ein Vater über seine Kinder, der Lust aber wie ein Herr über seine Sklaven, weil er sie zügelt und bricht; so stehen die Befehle der Herrscher, der Beamten, der Senatoren, der Völker über den Bürgern und Bundesgenossen, wie der Geist über den Körper, die Herrn aber setzen ihren Sklaven so hart zu, wie der beste Teil des Geistes, das heißt, die Weisheit, den lasterhaften und schwachen Teilen desselben Geistes, nämlich den Gelüsten, dem Zorn oder den übrigen Strömungen (…) Es gibt nämlich eine Art ungerechter Sklaverei, wenn diejenigen in der Hand eines anderen sind, die ihre eigenen Herrn sein könnten.

Autor: sophie