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De Re Publica - Buch 1, Kap. 68-69


68. Scipio: Und, um wieder zum Gründer meiner Darlegung zurückzukehren, aus dieser allzu großen Zügellosigkeit, die jene für die einzige Freiheit halten, sagt Platon entwachse und entstehe gleichsam der Tyrann wie aus einem Stamm. Denn wie aus der Übermacht der führenden Männer ihr Untergang entsteht, so stürzt gerade die Freiheit das allzu freie Volk in die Knechtschaft. So schlägt alles Übermäßige, immer wenn es im Wetter oder auf den Feldern oder in den Körpern zu üppig geworden ist, in der Regel ins Gegenteil um, und hauptsächlich geschieht dies in der Politik, und jene übermäßige Freiheit schlägt für Völker und Privatpersonen in allzu große Knechtschaft um. Deshalb entstehen aus dieser größten Freiheit der Tyrann und jene ungerechteste und härteste Knechtschaft. Denn aus diesem zügellosen oder besser unmenschlichen Volk wird meist irgendein Führer ausgewählt gegen jene führenden Männer, die bereits angeschlagen und aus ihrer Stellung vertrieben sind, der frech und gemein ist und der rücksichtslos die Leute verfolgt, die sich sehr um den Staat verdient gemacht haben, und der dem Volk sowohl Fremdes als auch Eigenes bereitwillig opfert, weil diesem Privatmann Ängste entgegenstehen, werden Befehle übertragen und verlängert, sogar durch Leibwachen geschützt, wie in Athen Pisistratus, und schließlich treten sie als Tyrannen gerader derer auf, von denen sie an die Macht gebracht wurden. Wenn die Tüchtigen diese unterdrückt haben, wie es oft geschieht, erholt sich der Staat; wenn aber die Frechen sie unterdrücken, dann entsteht jene Parteiherrschaft, eine andere Art der Tyrannenherrschaft, und dieselbe Herrschaft entsteht aus jeder oft vortrefflichen Verwaltung der Optimaten, wenn irgendeine Schlechtigkeit die führenden Männer selbst vom rechten Weg abgebracht hat. So rauben die Tyrannen von den Königen wie einen Ball untereinander die Herrschaft des Staates, von denen aber die führenden Männer oder Völker, von denen wiederum einzelne Parteinen oder Tyrannen, und nie wird länger dieselbe Staatsform gehalten. 69. Weil das so ist, ist von den drei ersten Verfassungsarten, meiner Meinung nach, die Königliche bei weitem besser, der monarchischen Art aber selbst wird das voran stehen, was aus den ersten drei Arten der Verfassung gleichmäßig gemischt ist. Es gefällt mir nämlich, dass im Staat etwas Voranstehendes und Königliches ist, dass (außerdem) etwas dem Einfluss der führenden Männer zugeteilt und zugewiesen wird, dass (drittens) gewisse Dinge dem Urteil und dem Willen der Menge vorbehalten bleiben. Diese Verfassung hat erstens ein hohes Maß an Rechtsgleichheit, welche freiheitlich gesinnte Menschen kaum länger entbehren können, zweitens eine Stärke, weil auch jene ersten (Arten der Verfassung) leicht in gegenteilige Missformen umschlagen können, so dass aus dem König ein Gewaltherrscher, aus dem Optimaten eine Parteiherrschaft entsteht, weil diese Arten selbst oft mit neuen (Arten) wechseln; dies kommt in dieser zusammengesetzten und maßvoll gemischten Staatsverfassung kaum ohne große Fehler der führenden Männer vor. Es gibt nämlich keinen Grund für einen Umsturz, wo jeder einzelne in seiner Stellung fest verankert ist und es ist nichts da, wohin er kopfüber hinabstürzen könnte.

Autor: sophie