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De Re Publica - Buch 1, Kap. 24


Zweitens muss die Leitung entweder bestimmten Auserwählten zugeteilt werden oder muss vielmehr von allen auf sich genommen werden. Wenn deshalb bei einem die höchste ist, nennen wir jenen einen König und die Verfassung dieses Staates Königsherrschaft. Wenn die höchste Macht aber bei Auserwählten ist, sagt man, dass jener Staat durch die Willkür der besten regiert wird. Jene aber ist die Demokratie-denn so sagt man ja- bei der alle Macht beim Volk ist. Jede beliebige dieser drei Arten - wenn jenes Band sie hält, welches zuerst die Menschen untereinander aufgrund eines Staatsbündnisses verbunden hat - ist zwar nicht perfekt und meiner Meinung nach nicht das Beste, aber doch erträglich und so dass die eine vortrefflicher sein kann als die andere. Dennoch scheint es, dass entweder ein gerechter und weiser König oder die Auserwählten und die ersten Bürger oder das Volk selbst - das am wenigsten gebilligt werden muss - von einem nicht unsicheren Stand sein können, wenn keine Ungerechtigkeiten oder Begierden dazwischengeworfen werden. Aber sowohl in Königreichen sind die übrigen allzu sehr unbeteiligt am gemeinsamen Recht und den Räten, als auch an der Herrschaft der Besten die Menge kaum teilnimmt an der Freiheit, weil sie nicht an jeder gemeinsamen Beratung als auch an der Macht teilnimmt.; und wenn alles durchs Volk geführt wird, wenn auch noch so gerecht und gemäßigt, so ist trotzdem die Gerechtigkeit selbst ungünstig, weil sie keine Abstufungen der Würde hat.

Autor: Genius88