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De Re Publica - Buch 1, Kap. 11


Und am meisten pflegt mir dies bei der Rede der gebildeten Menschen sonderbar zu erscheinen, weil die selben, die sagen, dass sie bei ruhigem Meer nicht steuern können, weil sie es weder gelernt haben, noch jemals sich bemüht haben es zu wissen, öffentlich erklären, dass sie zu den Steuerrudern hinzurücken würden nachdem die größten Wogen erregt worden sind.

Diese da nämlich pflegen öffentlich zu sagen und auch sich viel darin zu rühmen, dass sie nichts weder jemals gelernt haben, noch lehren, über die Arten und Weisen Staaten entweder zu gründen oder zu beschützen, und sie glauben dass das Wissen gelehrten und weisen Menschen über diese Dinge nicht zugestanden werden darf, sondern den Praktikern in jenem Fach zugestanden werden muss. Wie passt es deshalb dann schließlich zusammen seine Mühe dem Staat zu versprechen, wenn sie durch die Notwendigkeit gezwungen werden, während, was viel leichter zu tun ist, sie nicht wissen den Staat zu lenken, während keine Notwendigkeit drängt.

Ich jedenfalls, gesetzt den Fall, es wäre wahr, dass der Weise nicht pflegt durch freiwillig sich zur Politik (eigtl:Systeme des Staates) herabzubegeben, wenn er aber durch die Umstände gezwungen wird, dass er dann diese Aufgabe schließlich nicht zurückweise, dennoch würde ich meinen, dass dieses Wissen über die Politik am wenigsten von dem Weisen vernachlässigt werden darf, deswegen, weil er alle Dinge vorbereiten muss, von welchen vielleicht irgendwann einmal der Gebrauch notwendig ist.

Autor: johanna