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De Re Publica - Buch 1, Kap. 02

II. Aber es ist nicht genug, Tugend zu haben wie irgendeine Kunst, wenn du sie nicht nutzt. Auch wenn eine Kunst mit Wissen selbst dennoch gehalten werden kann, obwohl du sie nicht nutzt, ist die Tugend ganz auf ihre Anwendung gestellt. Deren größter Nutzen aber ist die Lenkung eines Staates und in der Tat die Vollendung der Angelegenheiten selbst, die dort in den Ecken nur durch Vortrag widerhallen. Denn nichts wird von Philosophen gesagt, was wenigstens recht und ehrenvoll genannt wird, was von diesen hervorgebracht und bestätigt wurde, die die Rechte von diesen Bürgern eingeteilt haben. Denn woher ist die Frömmigkeit, oder von wem die Ehrfurcht? Woher kommt das Recht der Völker oder selbst das, was bürgerlich genannt wird? Woher kommt die Gerechtigkeit, die Treue, die Gelassenheit? Woher Ehrgefühl, Selbstbeherrschung, die Flucht vor der Schande, das Streben nach Lob und Ehre? Woher ist die Tapferkeit in Mühen und Gefahren? Doch wohl von denen, die das, was vorhanden ist, in Lehren zum einen durch Sitten bestätigt, zum anderen durch Gesetze aber geheiligt haben.

Autor: FP