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De Oratore - Buch 1, 030-034

[30] Nichts scheint mir wahrlich vortrefflicher zu sein, sagte Crassus, als die Herzen der Menschen durch das Reden zu gewinnen zu können, und ihre Zuneigung (ihr Wohlwollen) zu erlangen, ihn hinzutreiben, wohin man (der Zuhörer) will und wegzuführen woher man will. Diese eine Sache (das vorher gesagte, d.h. Rhetorik) blühte in jedem freiem Volk, besonders in friedlichen und ruhigen Staaten hat sie immer geherrscht <....> [31] Denn was ist so groß und großartig wie die Gefühle des Volkes, die Vorurteiel/ Skrupel der Richter, die Gewichtung des Senats mit der Rede (eines Mannes) umzustimmen? [32] Was ist ferner so königlich, so edel, so wohltätig, wie Bittenden Hilfe bringen, Bedrückte aufzurichten, Wohl zu geben, aus Gefahren zu befreien, die Menschen im Staat zusammen zu halten. Aber was ist so notwendig, wie immer die Waffen zu führen mit denen du dich entweder selbst schützen kannst oder ungefährdet angreifen kannst oder dich als Angreifer rächen kannst. Weiter, damit man nicht immer über das Forum, die Richterbank, die Rednertribüne und die Kurie nachdenkt. Was kann in der Ruhe entweder angenehmer oder für wahre Bildung charakteristisch sein, als ein geschmackloses und in nichts kunstloses Gespräch? Wir übertreffen die Tiere in einer Sache besonders, in der, dass wir miteinander reden und in der Sache, dass wir unsere Gefühle durch das Sprechen ausdrücken können. [33] Wer sollte dies nicht zu Recht bewundern und meinen, dass sich in dem Punkt besonders anstrengen müsse um sich in dem Punkt, in dem die Menschen den Tieren besonders überlegen sind, in dem er sich vor (anderen) Menschen selbst auszeichnet? Damit wir nun aber zum Wichtigsten kommen: Welche andere Macht könnte entweder verstreute Menschen an diesem Ort zusammenführen oder von wilden, ländlichen Leben zu dieser gebildeten und bürgerlichen Lebensweise führen oder nach der Gründung der Staaten Gesetze, Gerichte und Rechte festzulegen und nicht zu bestimmen? [34] Um nicht noch mehr Dinge, die schon fast unzählbar sind, aufzuzählen, werde ich kurz zusammenfassen; So nämlich urteile ich: Auf der Mäßigung und Weißheit des Redners beruhe nicht nur seine Würde sondern auch das Wohlergehen der meisten Einzelpersonen und auch des ganzen Staates.

Autor: brezel