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De Finibus - Buch 3, 75-76

Abschließende Würdigung des stoischen Weisen

75) Wie bedeutend in der Tat, wie großartig, wie beständig gewinnt die Person des Weisen Gestalt! Dieser, weil die Vernunft unterrichtet hat, dass das was ehrenhaft ist das einzige Gut ist, ist notwendiger Weise immer glücklich und besitzt wirklich alle diese Ehrennamen, die gewöhnlich von den Unerfahrenen verspottet werden.
Denn mit mehr Recht wird er König genannt werden als Tarquinius, der weder sich noch die Seinen beherrschen konnte; mit mehr Recht Lenker des Volkes (dieser nämlich ist Diktator) als Sulla, der Lenker dreier unheilvoller Fehler, der Zügellosigkeit, Habsucht und Grausamkeit, war; mit mehr Recht reich als Croesus, der, wenn er es nicht nötig gehabt hätte, niemals den Euphrat ohne Kriegsgrund überschreiten gewollt hätte. Mit Recht werden alle Dinge dessen genannt werden, der als einziger weiß, den rechten Gebraucht mit allen Dingen zu machen; mit Recht wird er auch hübsch genannt werden – die Gestalt des Geistes nämlich ist schöner als die der Körper: mit Recht allein frei, weder der Herrschaft irgendeines gehorchend, noch der Begierde gehorsam; mit Recht unbesiegt, dessen Geist, auch wenn der Körper gefesselt wird, dennoch keine Fesseln auferlegt werden können.

76) Und er soll nicht irgendeine Zeit des Lebensalters erwarten, damit dann schließlich geurteilt werde, ob er glücklich gewesen sein wird, wenn er den letzten Tag des Lebens mit dem Tod vollendet haben wird, wozu jener eine aus den sieben Weisen Croesus nicht weise gemahnt hat. Denn wenn er jemals glücklich gewesen wäre, hätte er das glückliche Leben bis zu jenem von Cyrus errichteten Scheiterhaufen ausgedehnt. Wenn dies so ist, dass keiner außer einem sittlich guten Mann weise ist und alle Guten glücklich sind, was ist mehr als die Philosophie zu pflegen oder was ist göttlicher als die Tugend?

Autor: estrella