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De Finibus - Buch 1, 62


Von Epikur wird nämlich der Weise, der stets glücklich ist, so vorgestellt: Er hält seine Begierden in Grenzen, schätzt den Tod gering, hat von den unsterblichen Göttern ohne jede Furcht eine zutreffende Auffassung und scheidet, wenn es so besser ist, ohne zu zögern aus dem Leben. So gerüstet befindet er sich immer im Zustand der Lust; denn es gibt keinen Zeitpunkt, zu dem er nicht mehr Lust als Schmerz empfindet. An die Vergangenheit erinnert er sich nämlich gern, und über Gegenwärtiges verfügt er so, dass er bemerkt wie wichtig und wie angenehm es ist. Von der Zukunft hängt er nicht ab, sondern erwartet sie, die Gegenwart genießt er und hält sich von den Fehlern, die ich eben zusammenstellte, weit entfernt. Wenn er das Leben der Toren mit seinem eigenen vergleicht, erfüllt ihn große Lust. Dagegen haben Schmerzen, wenn sie ihn treffen, niemals eine so große Bedeutung, dass er als Weiser nicht mehr Grund zur Freude hat als zur Beklommenheit.

Autor: arneOne