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Ad Atticum - Buch 01, 18, 1


Werde dir im Klaren darüber, dass nichts mir jetzt so sehr fehlt wie derjenige, mit dem ich alles zusammen berede, das mich in irgendeiner Art besorgt, der mich mag, der klug ist, bei dem ich, während ich mit ihm rede, nichts erdichte, nichts verstecke, nichts verberge. Du jedoch, der du sehr oft die Sorge und Angst meines Geistes mit deinem Gespräch und Rat erleichtert hast und der du gewohnt bist, mir im Staat ein Verbündeter und Vertrauter mit allen privaten Angelegenheiten zu sein und Anteil zu nehmen an allen meinen Gesprächen und Plänen, wo bist du? Ich bin so von allen verlassen, dass ich nur so viel Zeit zur Erholung habe, wie verbracht wird mit der Ehefrau und dem lieben Töchterchen und dem süßen Sohn. Denn jene unsere aus Ehrgeiz geschlossenen Scheinfreundschaften bringen einiges Ansehen in der Öffentlichkeit, aber sie haben keinen privaten Nutzen. Deshalb, immer wenn morgens das Haus gut gefüllt ist, immer wenn wir zum Forum, umringt von den Mengen an Freunden, hinuntergehen, dann können wir aus der großen Schar niemanden finden, mit dem wir entweder frei scherzen oder vertraut klagen können. Und deshalb erwarten wir dich, vermissen dich und rufen dich sogar schon herbei. Es gibt nämlich vieles, das mich erschüttert und ängstigt; es scheint mir, dass ich, wenn ich dein Gehör finde, dies viele durch ein Gespräch bei einem einzigen Spaziergang fortschaffen kann.

Eingereicht von: ivrogne