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Ad Atticum - Buch 01, 13, 01-04


Cicero Attico (Suo) Sal (salutem dicit)

Cicero entbietet seinem Freund Atticus einen Gruß.

Ich habe schon drei Briefe von dir bekommen, einen von Marcus Cornelius,
den du diesem bei den Drei Wirtshäusern (Wegestation), wie ich glaube,
gegeben hast; einen zweiten, den mir dein Gastgeber aus Canusinus
gegeben hat; den dritten den du mir, wie du geschrieben hast, vom Boot
aus geschickt hast, nachdem der Anker gelichtet worden war; diese waren
alle - wie die Schüler der Redelehrer sagen - sowohl mit dem Salz der
Bildung bestreut, als auch gekennzeichnet mit den Zeichen deiner
Zuneigung. Durch diese Briefe bin ich in der Tat von dir herausgefordert
zurückzuschreiben; ich bin aber deshalb langsamer, weil ich keinen
zuverlässigen Briefboten gefunden habe. Denn wie wenige gibt es, die
einen etwas gewichtigeren Brief tragen können, ohne daß diese diesen
durch Durchlesung (um seinen Inhalt) erleichtern. Es kommt dazu, daß es
mir nicht bekannt ist, daß jemand nach Epirus aufbricht. Denn ich nehme
an, nachdem du bei deiner Amalthea (Nymphe, Heiligtum ihr zu Ehren) die
Opfertiere getötet hattest, bist du sofort zum Bestürmen der Stadt
Sicyon aufgebrochen. Trotzdem bin ich auch selbst nicht sicher, wann du
zu Antonius aufbrichst oder was du in Epirus an Zeit verbringst. So wage
ich weder Leuten aus Achäa, noch Leuten aus Epirus einen etwas freieren
Brief anzuvertrauen.

Es sind aber nach deiner Trennung von mir Sachen, würdig eines Briefes
von mir, passiert; nicht jedoch dürfen sie einer Gefahr der Art
anvertraut werden, daß sie entweder verloren gehen, oder geöffnet werden
oder abgefangen werden können. Erstens also sollst du wissen, daß ich
nicht als erster nach meiner Meinung gefragt worden bin und der
Friedensstifter der Allobroger mir vorgezogen wurde, und dieses ist
geschehen während der Senat murrte und nicht einmal gegen meinen Willen..
Denn ich bin sowohl von diesem zu beachtenden schlechten Menschen frei,
als auch gelöst gegen den Willen jenes (Menschen) meine Würde im Staat
zu behalten; und jener zweite Platz beim Reden hat beinahe das Ansehen
des Ersten und nicht zu sehr die Neigung mit dem Wohlwollen des Konsuls
verbunden zu sein.

Der Dritte ist Catulus, der Vierte, wenn du auch danach fragst,
Hortensius. Aber der Konsul, selbst ist von kleinem und schiefem Geist,
aber dennoch ein Spötter jener launischen Art, weil gelacht wird auch
ohne Witz, er ist lächerlich mehr mit dem Gesicht, als daß mit Witzen;
nichts mit der Politik treibend, getrennt von den Optimaten, von diesem
mögst du nichts Gutes für den Staat erwarten, weil er es nicht will und
nichts schlechtes, weil er es nicht wagt.

Dessen Amtsmitinhaber aber behandelt mich sowohl sehr ehrenvoll, als
auch ist er ein emsiger Verteidiger der guten Parteien und ein
Verteidiger der Rechtschaffenen. Diese (Konsuln) widersprechen sich nun
ein klein wenig. Aber ich fürchte, daß dieses, was schon angefangen hat
(vergiftet worden ist), sich weiter ausbreiten wird (weiterschlängeln
wird). Denn ich glaube, daß du gehört hast, daß als in Caesars (Pontifex
Maximus) Haus für das Volk (geschah) ein öffentliches Ritual abgehalten
wurde, dorthin ein Mann (Clodius) in weiblicher Kleidung gekommen ist
und dieses als die Vestalinnen das Opfer veranstaltet hatten, daß ein
Vorschlag von Quintus Cornificius den Senat erreicht hat (dieser ist der
erste gewesen, du mögst nicht etwa glauben irgend jemand von uns / einer
der unsrigen); daß später die Sache durch Senatsbeschluß zu den
Vestalinnen und Priestern berichtet worden ist und daß dieses durch
diese als Frevel gewertet worden ist; daß danach die Konsuln auf
Senatsbeschluß einen Gesetzesvorschlag öffentlich angeschlagen haben;
daß Caesar sich hat scheiden lassen. In dieser Sache gibt sich Piso,
veranlaßt (ductus) durch Freundschaft zu Publius Clodius, Mühe, daß
dieser Gesetzesvorschlag, den er selbst einbringt, sowohl auf
Senatsbeschluß, als auch hinsichtlich der Religion verschleppt
(abgelehnt) wird.

Messalla handelt bis jetzt nachdrücklich (und) streng. Die Optimaten
(guten Männer) werden durch die Bitten des Clodius von dem Prozeß
ferngehalten, Mühen werden aufgewendet, ich selbst, der ich am Anfang
ein strenger Tadler gewesen war, werde täglich milder (zur Milde)
gestimmt, Cato (jedoch) treibt voran (bedrängt und treibt in die Enge).
Was mehr? Ich fürchte, daß dieses Mißachten durch die Guten , das
Verteidigen durch die Ruchlosen, ein Grund für große Unglücke für die
Republik sein könnte. Jener dein Freund (Pompeius) aber (weißt du, wen
ich meine?), über den du mir geschrieben hast, hat nachdem er nicht
wagte mich zu tadeln, (nun) angefangen mich zu loben; und wie er zeigt,
sehr schätzt, umarmt, liebt und lobt mich offenkundig; verborgen, aber
so, daß es offenbar ist, beneidet er mich. Nichts freundliches, nichts
schlichtes, nichts glanzvolles in der Öffentlichkeit, nichts
anständiges, nichts mutiges, nichts ungebundenes (Beschreibung des
Pompeius). Aber dazu werde ich dir ein andermal genauer schreiben; bis
jetzt nämlich ist mir auch nicht genug bekannt gewesen und ich kenne
diesen der Erde Sohn nicht, dem ich nicht wage einen Brief über so große
Sachen anzuvertrauen...

Das letzte "non" vor "audeo" kann unbeachtet bleiben. Es dient nur zur
Verstärkung. Denn in der deutschen Übersetzung würde Cicero bei
doppelter Verneinung nun doch wagen einem Boten seinen Brief anzuvertrauen.

Autor: simius