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Tusculanae Disputationes - Buch 1, 95-99


95) Lasst uns die ganze Kraft gut zu Leben in die Seelenstärke und –Größe setzten und in die Verachtung und Geringschätzung aller menschlichen Angelegenheiten und in jegliche Tapferkeit!

96) Wenn wir aber bei Erwartung und Ersehnen innerlich unsicher sind, gequält werden und uns ängstigen - oh ihr unsterblichen Götter, wie angenehm muss dann jener Weg sein, nach dessen Beendigung keine übrige Sorge ist und keine Angst sein wird!

97) Sokrates ging in denselben Kerker und er schritt nach wenigen Jahren zu demselben Becher- das Urteil für dasselbe Verbrechen wie die Tyrannen von Theramenes. Was ist also die Rede dessen (Sokrates), die Plato bei den Richtern nutzen lässt, als er schon mit dem Tode bestraft worden war? Er sagte: „Ich habe die große Hoffnung, Richter, dass mir Gutes zustoßen wird, dass ich in den Tod geschickt werde. Es ist nämlich notwendig, wenn es eine Möglichkeit von zweien sei, dass entweder der Tod gänzlich alle Sinne davonrafft oder dass man durch den Tod an irgendeinen anderen Ort von diesen Orten gelangt. Deswegen, sei es dass das Gute ausgelöscht wird und der Tod dem Schlaf ähnlich, der bisweilen auch ohne Träume die sanfteste Ruhe mit sich bringt, gute Götter, was ist es für ein Gewinn zu sterben! Oder wie viele Tage können gefunden werden, die einer so beschaffenen Nacht vorgezogen werden können? Wenn jemandem ähnliches ewig ist für alle zukünftigen Zeiten, wer wäre glücklicher als ich? 98) Wenn es aber wahr ist, was man sagt, der Tod sei eine Wanderung in diese Gefilde sind, die die die aus dem Leben geschieden sind, bewohnen, ist dies sogar um vieles glücklicher. Wenn du von denen, die für Richter gehalten werden wollen entkommen bist und zu diesen kommst, die wirklich Richter genannt werden Minos, Rhadamanthus, Aecus, Triptolemeus und mit diesen zusammenkommst, die gerecht und ehrenhaft gelebt haben- kann euch diese Reise mittelmäßig erscheinen? Dass es aber erlaubt ist mit Orpheus, Musaeus, Hesideo zu sprechen, wie hoch schätzt ihr dies endlich ein? Allerdings würde ich gern oft sterben, wenn dies geschehen könnte, damit dieses, was ich sage, vorfinden würde. Mit wie großen Erfreuungen ich aber versehen werde, wenn ich mit Aiax, Palamedes und mit den anderen durch ein nachteiliges Urteil zusammengekommenen zusammenkommen würde! Ich würde auch den höchsten der Könige auf die probe stellen, der die größten Truppen nach Troja führte und die Klugheit des Ulixes und des Sisyphus und wegen dieser Sache werde ich nicht zum Tode verurteilt, wenn ich diese ausforschen würde, so wie ich es in Athen gemacht habe.

99) Fürchtet nicht einmal ihr Richter, die ihr mich freispracht, den Tod? Irgendeinem guten Menschen kann nicht irgendetwas Schlechtes zustoßen, weder zu Lebzeiten noch nach dem Tod und niemals werden seine Angelegenheiten von den unsterblichen Göttern vernachlässigt noch ist mir selbst das zufällig zugestoßen. Ich aber habe keinen Grund dazu, dass ich denen zürne, von denen ich angeklagt und verurteilt worden bin, abgesehen davon, dass sie geglaubt haben, mir zu schaden. Und dies sagte er freilich auf diese Weise, nichts aber ist besser als sein letztes Wort. Aber es ist Zeit, dass ich hier weggehe um zu sterben und es ist Zeit für euch zu gehen um euer Leben weiterzuführen. Nur die unsterbliche Götter wissen, welche von beiden Möglichkeiten aber die Bessere ist, ich glaube freilich, dass es kein Mensch weiß.

Eingereicht von: Cäsar666