Latein24.de

Pro Milone - 08

Oder ist jemand, der da nicht wüste, dass, bei einer gerichtlichen Untersuchung wegen Mordes, man gewöhnlich entweder die Tat überhaupt leugnet oder sie als recht- und gesetzmäßig verteidigt? Es sei denn ihr glaubt, Publius Africanus sei wahnsinnig gewesen, der, vom Volkstribun C. Carbo in aufrührerischer Absicht in der Volksversammlung über seine Meinung zum Tode des Tib. Gracchus, antwortete, dieser sei seiner Ansicht nach zu Recht getötet worden. Denn auch der berühmte Sevilius Ahala oder P. Nasica oder L. Opimius oder C. Marius oder der Senat unter meinem Konsulat müssten für Frevler gehalten werden, wenn die Tötung verbrecherischer Bürger nicht erlaubt wäre. Nicht ohne Grund, ihr Richter, haben daher der Nachwelt höchst gelehrte Männer sogar in ihren Dichtungen überliefert, dass der Mann, der, um seinen Vater zu rächen, seine Mutter getötet hatte, bei geteilter Meinung der Menschen, durch die Stimme einer Gottheit, ja sogar der weisesten Göttin, freigesprochen wurde.

Autor: Kalenni